Vertrauliche Gespräche zwischen Politikern und Journalisten gehören zum Alltag. Aber auch dafür gibt es Sprachregelungen. Im Folgenden eine kleine Übersetzungshilfe, denn selbst unter vier Augen verzichtet kaum ein Politiker auf absicherndes Polit-Sprech. Stellt der Journalist die Frage nach der Einschätzung zu einer bestimmten Person, besonders aus der Partei des befragten Politikers, und es kommt dann die Antwort: „Er/Sie macht den Job richtig gut“, lautet die Übersetzung: Naja, der eine oder andere Bock ist schon dabei, aber noch geht es. Bei der Antwort: „Macht den Job gut“, heißt der Klartext: „Er/Sie kann’s nicht. Ich wäre besser!“ Gefährlich ist: „Ich sag‘ dazu nichts.“ Dahinter steckt ein vernichtendes Urteil über den Parteifreund: „Eine Pfeife! Gehört schon längst weg!“
Keine Rücksicht auf Parteifreunde nimmt der Vizepräsident des Landtags, Karl-Heinz Klare (CDU). Der Diepholzer achtet penibel auf die Einhaltung der Parlamentsregeln. Selbst in der emotional hochkochenden Flüchtlingsdebatte blieb Klare cool. Sowohl Jens Nacke (Wiefelstede), Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, wie auch CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen) holten sich einen „Ordnungsruf“ des Parteifreundes ab, weil diese mit permanenten Zwischenrufen Innenminister Boris Pistorius (SPD) so piesackten, dass er entnervt zwei mal das Rednerpult verließ. Klare schaffte Ruhe, auch wenn Nacke und Thiele noch wie Schüler in ihren Bänken nörgelten. Da blitzte mal kurz Klares früherer Beruf durch: Schulamtsdirektor.
Apropos Pistorius: Vizepräsidentin Gabriele Andretta (SPD) verabschiedete ihn vom Rednerpult mit den Worten: „Vielen Dank, Minister Boris!“ Das Lachen kam parteiübergreifend.
