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Medien als Steigbügelhalter der AfD?

27.09.2017

Es war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der mit einem zornigen Ausbruch am Wahlabend in der TV-Elefantenrunde einen besonderen Aspekt dieser denkwürdigen Bundestagswahl zur Sprache brachte, der die Rolle der Medien beleuchtete und den man tunlichst ernst nehmen sollte: „Die Hälfte der Sendezeit beschäftigt sich nur mit der AfD. Darüber wird in den nächsten Wochen noch zu diskutieren sein, in welchem Ausmaß die beiden öffentlich-rechtlichen Sender massiv dazu beigetragen haben, die AfD nicht klein zu machen, sondern sie groß zu machen“, brach es aus dem gefrusteten CSU-Politiker heraus.

In der Tat, nur muss man es nicht bei den öffentlich-rechtlichen Medien belassen, der politische Journalismus muss sich ganz allgemein die Frage stellen, wie angemessen seine reflexartige Aufgeregtheit und der daraus resultierende Umgang mit der AfD gewesen ist. Tragen wir, die Journalisten, tatsächlich ein Stück Mitverantwortung dafür, dass nunmehr eine zumindest in Teilen rechtsradikale Partei erschreckend stark im Bundestag vertreten ist? Das gilt es aufzuarbeiten.

Eine Partei, die auf Tabubruch spezialisiert ist, hat es mit dieser Strategie zweifellos geschafft, im Verhältnis zu ihrer Bedeutung weitaus mehr Sendezeit im Fernsehen und Platz auf den Zeitungsseiten zu bekommen als alle anderen Parteien zusammen. Anders gesagt: Gauland & Co. hielten den Medien viele Stöckchen hin, und alle sind brav gesprungen. Die AfD gab die monokausale Thematik vor, sie beherrschte die Medienlandschaft.

Daraus gilt es für die künftigen vier Jahre Bundestag zu lernen. Denn dort wird sich das Klima deutlich ändern, dort wird die AfD versuchen, diese Erfolgsstrategie fortzusetzen. Der Umgangston wird ein anderer werden, und wir werden erleben, wie fast alle politischen Problemfelder automatisch mit der Einwanderungsproblematik verknüpft werden.

Da eine angemessene Berichterstattung zu finden, wird nicht einfach sein, will man sich nicht ständig dem Vorwurf der Zensur aussetzen. Denn die AfD wird weiter versuchen, sich als Opfer einer Koalition von Medien und Politik-Establishment zu inszenieren. Wir Journalisten sind aufgerufen, nun besonders sorgsam mit Sprache umzugehen, nicht automatisch Sprachregelungen und -schöpfungen der AfD (und auch der anderen Parteien!) zu übernehmen. Nur dann kann es gelingen, wirklich wichtige Inhalte zu thematisieren, statt sich ungewollt zum Handlanger eines erbärmlich gehaltlosen Rechtspopulismus zu machen.

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