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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Meinung

Beigeschmack

06.08.2014

Die Außendarstellung zählt zu den Fachgebieten von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Vereinfacht lässt sich sagen: Der 83-Jährige ist gelebte Außendarstellung. Das hat er im Bestechungs-Prozess vor dem Münchner Landgericht bewiesen, der nun gegen Zahlung einer Geldauflage von 100 Millionen Dollar eingestellt wurde.

100 Millionen Dollar – bei dieser faszinierenden Summe, die den meisten Menschen sonst nur in US-amerikanischen Spielfilmen über die Wall Street begegnet, mochten Richter und Staatsanwalt wohl nicht als Spielverderber gelten und stimmten dem Vorschlag zu. Aber warum eigentlich 100 Millionen Dollar? Der Prozess fand in Deutschland statt, wo in Euro gezahlt wird. Ecclestone ist Brite, seine Heimatwährung ist das Pfund. Ein Angebot über 100 Millionen Euro oder gar 100 Millionen Pfund wäre auch Ecclestone wohl etwas zu viel gewesen, daher bot er die so beeindruckende Zahl mit der Eins und den acht Nullen in Dollar – ist halt billiger. Und führte trotzdem zum Erfolg.

Natürlich erweckt die Einigung den Anschein, dass sich Vermögende ihre Unschuld erkaufen können. Denn als offiziell unschuldig verließ der nun noch immer sehr reiche Ecclestone das Gericht. Wenn Otto Normalsünder dagegen einige tausend Euro zahlt, um nicht wegen eines Verkehrsdeliktes bestraft zu werden, entsteht dieser Eindruck nicht unbedingt. Ein an sich lobenswerter Weg, einen Prozess nicht in die Länge zu ziehen, erhält im Fall Ecclestone wegen der wahnsinnig hohen Summe einen Beigeschmack.

Dass die Staatsanwaltschaft auf das Angebot einging, mag auch mit dem Blick auf die Kollegen zu tun haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte Ex-Bundespräsident Christian Wulff vor Monaten angeboten, das Ermittlungsverfahren gegen ihn gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen. Der lehnte ab, weil er felsenfest an seinen Freispruch glaubte – und diesen auch bekam. Für den Staatsanwalt in Hannover war das kein Ruhmesblatt. Der Kollege in München kann nun zumindest für sich reklamieren, der Staatskasse eine ordentliche Einnahme beschert zu haben.

Ecclestone verließ das Gericht so, wie er sich am liebsten sieht – als Handelnder, der die Regeln bestimmt. Mit einer teuren, aber perfekten Außendarstellung.


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Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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