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Brexit steckt voller Stolpersteine

13.10.2017

Brüssel Es war eine verstockte, enttäuschte und wütende EU, die vor einigen Monaten in die Brexit-Verhandlungen einstieg. Zu klar schien, dass die 27 Mitgliedstaaten den Briten diktieren würden, wie diese Scheidung abzulaufen hätte. Doch inzwischen kristallisiert sich heraus, dass Europa sich – bei allem berechtigten Beharren auf seinen Prinzipien – bewegen muss. Auch wenn die Wut über unvorbereitete britische Gesprächspartner noch so groß ist, ein Scheitern der Verhandlungen darf Brüssel nicht riskieren. Dies führt zu der aberwitzigen Situation, dass die EU eigentlich kein Interesse daran haben kann, die ungeliebte britische Premierministerin Theresa May zusätzlich zu schwächen, weil ihre potenziellen Nachfolger noch schwieriger für eine geordnete Abwicklung sein dürften.

No deal – das scheint für einige Briten die Lösung zu sein. Brüssel muss das verhindern, weil sich die Gemeinschaft damit am Ende selbst beschädigen und Verhandlungen über eine gemeinsame Zukunft noch zusätzlich erschwert würden. Insofern hat Londons Unterhändler David Davis sogar recht: Was die Union für ihre Bürger auf der Insel fordert, muss sie auch den Briten in den 27 Mitgliedstaaten zugestehen. Das wird nicht leicht sein.

Hinzu kommt, dass die Zahl der Stolpersteine mit jeder Verhandlungsrunde eher größer als kleiner zu werden scheint. In dieser Woche tauchten Fragen zur Familienzusammenführung auf, die bisher praktisch nicht durchdacht waren.

Für eine tolerante Grenzpolitik zwischen Nordirland und der grünen Insel Irland, die zum EU-Vorposten wird, gibt es noch überhaupt keine Lösung. Wenn an diesem Tag, der eigentlich für einen Durchbruch vorgesehen war, etwas klar scheint, dann ist es das: Am Ende werden beide Seiten über ihre Schatten springen müssen, um praktikable Lösungen zu ermöglichen.

Die wiederum dürften den Traum der britischen Befürworter einer Ablösung stören, weil sie viel der heutigen Praxis beibehalten müssen, um das Leben der Briten und ihrer Nachbarn praktikabel zu machen. Bis dahin bleiben die Gespräche ein nicht selten unübersichtliches Geschachere zweier Partner, von denen zumindest bei der britischen Seite immer weniger zu erkennen ist, wozu dieser drastische Schnitt eigentlich nötig war. Zumal sich die Union längst selbst zu reformieren beginnt – mehr als London sich dies je hätte erträumen lassen. Aber für Nostalgie ist es zu spät.

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