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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Meinung

Brüsseler Basar

09.03.2016

Wenn am frühen Sonntagmorgen die Buden auf dem Hamburger Fischmarkt öffnen, dann schlägt die große Stunde von Aale-Dieter, Bananen-Heinz und Hühner-Hugo. Die Marktschreier sind die Attraktion für Tausende. Nicht am Wochenende, sondern mitten in der Woche begann jetzt in Brüssel ein Basar, auf dem ebenso hemdsärmelig gehandelt und gefeilscht wird. Allerdings geht es nicht um Verkaufswaren, sondern um Flüchtlinge.

Am Verkaufstresen stehen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel weitere Staatschefs und der türkische Premier Davutoglu. Cents reichen nicht, auf dem EU-Gipfel müssen es schon Milliarden sein. Schnäppchen gibt’s hier wie da. Wer will noch mal (seine Grenzen öffnen), wer hat noch nicht (Obergrenzen für Asylsuchende definiert)?

Europa wird Augenzeuge eines beschämenden Handels. Und erlebt eine Bundeskanzlerin, die für die Bereitschaft der Türkei, gestrandete Flüchtlinge aufzunehmen und nicht nach Westeuropa durchzuwinken, offenbar jeden Preis zu zahlen bereit ist. Und dies nicht nur in Euro und Cent: Visa-Freiheit für Türken – kein Problem! Menschenrechte und Pressefreiheit? Worüber regen wir uns auf? Beitritt der Türkei zur EU? Ja, warum denn nicht!

Kein Tabu, das nicht mit großer Geste geopfert wird. Der muss schon der Realität weit entrückt sein, der dieses unwürdige Schachern um Menschen und Moneten als Erfolg abendländischer Staatskunst feiert. Die Wahrheit ist, dass Angela Merkel mitnichten einen Durchbruch erzielte, den ihre Claqueure ausriefen. Dabei drängt die Zeit. Die drei Landtagswahlen am kommenden Sonntag werden für die Berliner Koalitionäre zur Stunde der Wahrheit. Da würde sich eine, wie auch immer erzielte, Einigung mit den Türken auf den Stimmzetteln positiv auswirken.

Doch dieser so dilettantisch vorbereitete Gipfel kommt viel zu spät, um einen beachtlich großen Teil der Wählerinnen und Wähler noch umzustimmen. Zumal es bei unseren EU-Partnern am guten Willen fehlt, einen Teil der Lasten zu tragen. Etwas Geld vielleicht, Zehntausende Menschen gewiss nicht. Der Kanzlerin droht ein Fiasko. Gewinner ist die Türkei, die jetzt die Bedingungen diktiert und Belehrungen nicht länger fürchten muss. Armes Europa.


Den Autor erreichen Sie unter 
Lars Reckermann
Chefredakteur
Chefredaktion
Tel:
0441 9988 2000

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