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Polizeipräsident Johann Kühme hat es mit einem Satz auf den Punkt gebracht: „Das Grauen hört nicht auf.“ Auch nach 18 Monaten Ermittlungsarbeit der Soko „Kardio“ ist der Fall des Klinikmörders Niels Högel nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Immer neue Details über das grausige Wirken des Ex-Pflegers werden bekannt und erschüttern nicht nur Angehörige von möglichen Opfern.

Dabei geht es weniger darum, dass Högel möglicherweise auch im Klinikum Oldenburg Patienten getötet hat. Dafür gab es bereits einige Hinweise, nicht zuletzt durch Zeugenaussagen im jüngsten Prozess. Fassungslos macht vor allem der Verdacht, dass Högel bereits in Oldenburg Patienten mit dem Herzmedikament Gilurytmal totgespritzt hat, dass er möglicherweise sogar mit verschiedenen Wirkstoffen an wehrlosen Menschen herumexperimentiert hat, um sich als Retter in den Vordergrund spielen zu können.

In der Konsequenz heißt das, die bisherige Annahme, der Ex-Pfleger wäre erst im Klinikum Delmenhorst aus Langeweile, Überforderung und anderen Gründen zum Serienmörder geworden, ist falsch. Högel stand nicht ratlos in Delmenhorst vor dem Medikamentenschrank. Nein, er hat eine Woche nach dem Klinikwechsel zugeschlagen.

Und wenn er bereits im Klinikum Oldenburg so perfide getötet hat, wenn es konkrete Hinweise auf Auffälligkeiten gab, wenn er deswegen nach Delmenhorst abgeschoben wurde, stellt sich umso mehr die Frage: „Warum stoppte niemand Niels Högel?“

Der Ex-Pfleger dürfte der schlimmste Serienmörder im Nachkriegsdeutschland sein. Vielleicht wird man ihm am Ende 40 oder 50 Tötungen nachweisen können. Die Zahl der Patienten, die sterben mussten, weil Högel sein Unwesen treiben durfte, dürfte deutlich höher liegen.

Der Fall Högel ist und bleibt einer der größten Klinik- und Justizskandale in Deutschland. Auch wenn sich jetzt alle Beteiligten um Aufklärung bemühen. Ohne die gravierenden Fehler, die offenbar in beiden Kliniken gemacht wurden, hätte es nicht soweit kommen können. Und die Staatsanwaltschaft? Hat lange bei der Aufklärung geschlampt und Riesenglück, wenn Högel nicht auch als verurteilter Straftäter noch gemordet hat.


Den Autor erreichen Sie unter 
Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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