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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Meinung

Heuchelei

15.12.2016

Die bevorstehende vollständige Rückeroberung Aleppos durch die syrische Regierungsarmee ist eine Zäsur. Sie schafft neue Realitäten und sollte darüber hinaus Gelegenheit für den Westen sein, seine Wahrnehmungen und politischen Schlussfolgerungen zu korrigieren.

Ohne Assad und Russland geht in Syrien nichts mehr. Es ist Realitätsverweigerung, darauf zu bestehen, Assad dürfe in Syrien „keine Rolle mehr spielen“. Das wird er so lange, wie die Russen ihn stützen. Seine Regierung hat ihre Position gefestigt – ob sie jedoch jemals wieder das ganze Land kontrollieren wird, ist zweifelhaft. Die Türken haben sich im Norden etabliert. Die Amerikaner dürften bald über Strohmänner den Osten kontrollieren. Es sieht danach aus, als ob der Staat „Syrien“ de facto schon von der Landkarte verschwunden ist. Natürlich ist unbestreitbar, dass die Lage für viele Zivilisten fatal ist. Ebenso wenig lässt sich leugnen, dass unter Regierungskontrolle in weiten Teilen des Landes erträgliche Verhältnisse herrschen. Im Westen ignoriert man das und gefällt sich in einer Haltung, die nur schwarz-weiß kennt: hier Teufel Assad, dort edle Rebellen. Dabei handelt es sich doch bei denen um Halsabschneider und brutalisierte Islamisten mit ausgeprägten Vernichtungsfantasien. In Europa fällt man trotzdem willig auf Bilder und Texte aus ihrem Propagandaarsenal herein, obwohl es oft keinerlei Belege für Authentizität gibt.

Zudem blendet der Westen aus, dass er an der Situation mitschuldig ist. Die „regime-change“-Propaganda im „Arabischen Frühling“, die Anerkennung zweifelhafter Gruppen als „Regierung“ und die Unterstützung von Milizen haben den Konflikt maßgeblich angeheizt. Als vor Russlands Eingreifen ein Zeitfenster für eine friedensschaffende Intervention bestand, zuckten Amerikaner und Europäer feige zurück. Man kann es daher mit Recht gewissenlose Heuchelei nennen, wenn der Westen heute von der Seitenlinie pöbelt und sich der Realpolitik verweigert. Die fordert, die einzig realistische (wenn auch schlechte) Lösung zu fördern: den schnellen Sieg der Seite, die in der Lage ist, weite Teile des Landes zu befrieden. Nach Lage der Dinge ist das die Assad-Russland-Kombination.


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Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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