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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Meinung

Orakel-Onkel

27.08.2016

Erfolgreiche Politiker zeichnet aus, dass sie ihr Handwerk beherrschen, sich subtil psychologischer Tricks bedienen und vielfach das Glück gepachtet haben. In der Geschichte Nachkriegs-Deutschlands gibt es eine Reihe prominenter Beispiele. Nicht nur die Anhänger der „Früher-war-alles-besser“-Fraktion müssen feststellen, dass es heutzutage weitgehend an Vertretern dieses Genres fehlt.

Konrad Adenauer zeigte sich auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges den Medien gern entspannt beim Boccia-Spiel in Cadenabbia am Comer See, Willy Brandt entwaffnete bärbeißige Alt-Kommunisten wie Leonid Breschnew mit Charme, Witz und Trinkfestigkeit, die einst Plisch und Plum genannten Minister in der Großen Koalition von 1966 bis 1969, Karl Schiller (Wirtschaft, SPD) und Franz-Josef Strauß (Finanzen, CSU), entschärften die erste schwere Wirtschaftskrise der noch jungen Republik durch ausgestrahlte Kompetenz und Zuversicht. Auch Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) beruhigten auf dem Höhepunkte der Bankenkrise die Sparer und Anleger mit der Versicherung, ihr Geld sei sicher.

Demonstrative Gelassenheit und überzeugende Rhetorik schaffen selbst in schwierigen Zeiten bei Bürgerinnen und Bürgern Vertrauen. Dem amtierenden Bundesinnenminister Thomas de Maizière fehlt es genau daran. Noch in guter Erinnerung ist seine unheilschwangere Bemerkung nach der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover, er wolle keine Details des möglichen Terror-Szenarios nennen, um die Menschen nicht noch stärker zu verunsichern. Womit er erreichte, was er zu verhindern trachtete.

Auch seine nebulösen Beschreibungen von Notfällen, die zu überstehen nur in der Lage sei, wer Lebensmittel hortet und Utensilien unterschiedlichster Art anschafft, ist das Gegenteil von beruhigend. Selten ist lebhafter über Bedrohungen jedweder Art spekuliert worden.

Das Land braucht keinen Orakel-Onkel, sondern Politiker, denen die Menschen vertrauen. Schweigen ist eben doch manchmal Gold. Für den Innenminister gibt es viel zu tun. Der Katalog von Versprechungen zur Lösung der Flüchtlings-Krise ist umfangreich. Jetzt sollte er zügig abgearbeitet werden.


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Lars Reckermann Chefredakteur / Chefredaktion
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