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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Meinung

Seifenoper-Krise

15.11.2012

Vieles, was bisher in der Petraeus-Affäre in den USA ans Licht kam, erinnert an eine Fernseh-Seifenoper: Zwei Top-Generäle, eine schäumende Geliebte, dazu ein attraktives weibliches Zwillingspaar, ein ganzer Berg amouröser E-Mails, ein suspendierter halbnackter FBI-Ermittler, Hausdurchsuchungen und eine staunende Nation – das ist saftiger Stoff, genug gleich für einen TV-Dreiteiler.

Und dann gibt es noch den US-Präsidenten, der sich eine Woche nach seiner Wiederwahl mit ganzer Kraft darauf konzentrieren muss, dem Volk klarzumachen: Die Sicherheit der Nation hat unter dem Theater nicht gelitten.

Wie findet ein General wie John Allen, der in schwierigem Umfeld einen Krieg in Afghanistan führen soll, die Zeit dafür, über zwei Jahre lang täglich im Durchschnitt rund 30 E-Mails an eine Gesellschafts-Dame zu senden? Und dass der zurückgetretene CIA-Chef Petraeus seiner Geliebten in einem sensiblen Umfeld wie seiner Führungsetage nahezu unbegrenzten Zutritt gestattete und für die Kommunikation eine anonymisierte E-Mail-Adresse einrichtete, spricht nicht gerade für kluges Abwägen.

Obama für das Verhalten seiner engen Vertrauten direkt haftbar zu machen, wäre nicht fair. Doch hat Obama genug getan, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass es zu solchen zwar nicht strafbaren, aber nach traditionellem amerikanischen Moralstandard anrüchigen Aktionen nicht kommen wird?

Die Affäre des David Petraeus und die Begleiterscheinungen scheinen ein Bild zu bestätigen, das Chronisten wie der „Watergate“-Autor Bob Woodward in ihren jüngsten Büchern gezeichnet haben: Ein weitgehend isolierter Präsident, der fast immer nur den Kontakt zu seinem innersten Zirkel sucht – aber nur selten mit führenden Mitarbeitern außerhalb des Weißen Hauses konferiert und dabei auch die Chance vergibt, tadellose Führung zu demonstrieren und gleichzeitig seine Personalentscheidungen zu prüfen und zu hinterfragen. Die zweite Amtszeit Obama beginnt deshalb ganz anders, als es sich der Präsident vorgestellt hatte: Mit akutem Krisenmanagement und Schadenbegrenzungs-Versuchen gleich vor der eigenen Haustür.


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Friedemann Diederichs Korrespondentenbüro Washington
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