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Klug, klüger – wer ist denn jetzt der Klügste?

27.06.2019

Strücklingen Vom Norden bis zum Süden gibt es kluge Leute, noch klügere, und es gibt –Verzeihung – Klugscheißer. Letztere versuchen, ständig mit ihrem Wissen zu glänzen. Stellen wir uns folgende Geschichte vor: Sie kommen mit einem Menschen ins Gespräch, der einen sympathischen Eindruck macht. Man trifft sich erneut, und dabei erwähnen Sie einen Song, der Ihnen gut gefällt.

Unvermittelt ergeht sich ihr Gegenüber in einer zwanzigminütigen Abhandlung über den Lebenslauf von Georg Friedrich Händel. Da Sie sich nie für Händels Höhen und Tiefen interessiert haben, hören Sie gottergeben zu und fragen sich, wie man überhaupt auf dieses Thema gekommen ist.

Irgendwann ist das überstanden, und Sie wollen mit einem guten Witz etwas Schwung ins Gespräch bringen. Der andere lächelt nur matt und kontert mit einem Museumsbesuch zeitgenössischer Kunst, der ihn sehr beeindruckt hat. Besonders in den Exponaten von Joseph Beuys erkannte er den grenzenlosen Ausdruck von Liberalismus, wo Sie nur einen Küchenstuhl mit angeschraubtem Rückspiegel gesehen haben.

Es folgt ein Zitat des hochgelobten Künstlers: „Das Fett nimmt den Weg von einer chaotisch zerstreuten, energieungerichteten Form zu einer Form.“ Trotz intensiven Grübelns kommt Ihnen keine Erleuchtung, und das geben Sie auch zu. Die Breitseite folgt sofort: „Selbstverständlich kann das nur jemand verstehen, der weiß, dass Fett für ihn keine Masse ist sondern Substanz.“

Ach! Für Sie bedeutet Fett entweder abnehmen oder was koche ich morgen. Sie sagen Ihrem Gesprächspartner nun ganz offen, dass solcherlei Themen nicht unbedingt zu Ihren Interessen zählen, dass Sie aber sehr gerne lesen. Prompt werden Sie gefragt, ob Sie Kafkas Verwandlung kennen. Mit Grauen erinnern Sie sich an die Deutschstunden, in denen das Buch intensiv analysiert wurde.

Zerknirscht bekennen Sie, dass Sie sich heute nicht mehr mit den Poeten Ihrer Schulzeit beschäftigen, sich aber zum Beispiel für längst vergangene Kulturen interessieren, und Sie gestehen verzagt, gerne auch einfach nur spannende Romane zu lesen. Mitleidiges Nicken von gegenüber mit einem bedeutungsvollen: „Na ja.“

Nun kündet die neue Bekanntschaft einen Schwank aus der Jugend an und ergießt aberwitzige Schachtelsätze über Ihr Haupt, die kaum Sinn ergeben. Sie lauschen angestrengt, denn da muss ja noch die witzige Pointe kommen. Aber nichts kommt! Weder eine witzige noch überhaupt eine Pointe.

Nach dem Treffen fühlen Sie sich lausig. Nichts, was Sie geäußert haben, schien dem Anderen eine Erwiderung wert gewesen zu sein. Umso fester nehmen Sie sich vor, beim nächsten Mal diesem anspruchsvollen Intellektuellen Ihre Gedanken über das Universum mitzuteilen.

Wenn allein die Milchstraße weit mehr als 100 Milliarden Sternensysteme umfasst, was mag sich dort alles verbergen, von dem wir nichts ahnen. Zu diesem Thema kann doch jeder seiner Fantasie Raum geben. Dachten Sie! Nachdem Sie Ihre Worte kurz und präzise gewählt haben, um nicht zu langweilen, macht der andere eine Vollbremsung. „Nun ja, das weiß schließlich niemand. Weshalb sollte man sich also dazu weitere Gedanken machen!“ Bong!

Langsam dämmert es Ihnen. Es ist völlig egal, was Sie sagen, dieser Mensch ist ein Klugscheißer der Extraklasse! Er reißt mit allen Mitteln das Gespräch an sich und suggeriert hohes geistiges Niveau mit Themen, die er sich womöglich extra zu dem Zweck angelesen hat. Er muss im Mittelpunkt stehen und seine Gesprächspartner zerpflücken wie ein Gänseblümchen, um so sein Selbstbewusstsein aufzupolieren.

Ach, wie schön ist es doch, ein paar gesellige Stunden mit Leuten zu verbringen, mit denen man von einem Thema aufs andere kommt und zwischendurch auch herzhaft lachen kann.

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