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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Meinung

Subtiler Versuch

20.11.2014

Wer den russischen Präsidenten bisher vor allem als Brachial-Politiker einstufte, muss sich korrigieren: Wladimir Putin kann auch anders. Seine überraschende Einladung des in Moskau weilenden deutschen Außenministers Frank Walter Steinmeier zum Vier-Augen-Gespräch belegt, dass der Machthaber im Kreml nicht nur mit dem Säbel rasseln, sondern auch das diplomatische Florett virtuos führen kann. Seine ebenso spontane wie unverhoffte Bereitschaft zum Dialog mit Steinmeier ist der subtile Versuch, Differenzen in der deutschen Außenpolitik zur Ukraine-Krise aufzuzeigen. Der Versuch ist gelungen.

Während die Bundeskanzlerin in Sydney harsche Kritik an Putin übt und ein Menetekel möglicher russischer Einmischung in souveräne europäische Staaten beschreibt, lädt der so Gescholtene unter Umgehung üblicher protokollarischer Usancen den deutschen Chefdiplomaten zu einem immerhin einstündigen Meinungsaustausch ein.

Während Steinmeier zu Recht keinen Grund sah, das Angebot zum Dialog auszuschlagen, muss sich Angela Merkel düpiert fühlen. Immerhin hatte die deutsche Regierungschefin in den vergangenen Wochen persönliche und zahlreiche telefonische Gespräche mit dem russischen Präsidenten geführt, um ihn zum Einlenken in der Ukraine-Krise zu bewegen – bislang ohne sichtlichen Erfolg. Es darf spekuliert werden, mit welchen Botschaften Steinmeier nach Berlin zurückkehrte. Eine lautet wohl: Der Kreml will den Dialog fortführen – notfalls auch ohne die Kanzlerin.

Angela Merkel weiß um die wärmende Kraft glanzvoller Auftritte auf internationalem Parkett. Ihre Wiederwahl verdankt sie nicht zuletzt ihrem Ansehen im restlichen Europa. Zuletzt aber war da mehr Schatten als Licht. Mit dem britischen Premier Cameron ging sie offen auf Konfrontationskurs, das Verhältnis zum französischen Präsidenten Hollande ist mehr als unterkühlt. Im Süden der EU wurde sie zur Unperson, in Griechenland sogar zum Feindbild.

Merkels offenkundiges Desinteresse an einer deutschen Vermittlerrolle in Europa wird ihr vielfach als Arroganz ausgelegt. Die deutsche Kanzlerin beschränkt sich allzu oft auf kurzfristiges Reagieren, wenn langfristiges Gestalten gefragt ist.


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Lars Reckermann Chefredakteur / Chefredaktion
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