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Können neue Ermittlungsergebnisse im Fall Niels Högel noch schocken? Ja, sie können.

Dass der Klinikmörder viel früher hätte gestoppt werden können, dass Kollegen lieber nicht so genau wissen wollten, was der Todespfleger auf Intensivstationen mit Patienten anstellte, ist längst bekannt. Angehörige der Opfer haben bereits seit 2005 Vorwürfe gegen Verantwortliche des Klinikums Delmenhorst geäußert.

Dass Ärzte und Pfleger Högel in Delmenhorst offenbar trotz glasklarer Beweise noch einige Zeit weitermachen ließen, um den Ruf des Klinikums nicht zu gefährden, ist indes unfassbar.

Högel wird auf frischer Tat ertappt, darf aber bis zum Urlaub weiterarbeiten, schlägt in der letzten Arbeitsschicht noch einmal zu, tötet die Patientin Renate R. Nur zwei Tage später. Er nimmt sogar noch ein anderes Medikament als üblich. Vermutlich, weil sein Standardmittel weggesperrt wurde. Das ist niederträchtig, das ist heimtückisch, das ist krank. Und die Kollegen hätten es wohl ganz leicht verhindern können. Wie andere Taten auch.

Die Anklage gegen sechs Ärzte und Pfleger des Klinikums – nach mehr als zwei Jahren Ermittlung – ist konsequent. Darunter sind offensichtlich auch Zeugen aus dem jüngsten Högel-Prozess, die sich vor Gericht als Aufklärer und Mahner präsentiert hatten. Jetzt droht ihnen selbst der Prozess.

Im Fall Högel wurden viele Fehler gemacht. Die Pannen der Justiz hätten fast dazu geführt, dass der Klinikmörder längst wieder auf freiem Fuß wäre. Nur der Beharrlichkeit von Angehörigen ist es zu verdanken, dass heute umfassend ermittelt wird.

Die Pannen in den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst haben vermutlich viele Patienten das Leben gekostet. Aber vor allem in Delmenhorst fehlte jahrelang die Einsicht. Fehler wurden geleugnet, eine Mitschuld an der Mordserie zurückgewiesen. Das sei nicht zu sehen gewesen, hieß es von Klinikleitung und Anwälten. Die Vorwürfe, Mitarbeiter hätten weggeschaut, seien falsch.

Die nächsten Prozesse kommen. Dann sitzt vermutlich nicht nur der Serienmörder Högel auf der Anklagebank.


Den Autor erreichen Sie unter 
Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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Delmenhorst

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