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Wir, der Sandsack

02.04.2013

Wenn heute in Europa gegen Sparprogramme, Sozialkürzungen und Bankenrettung protestiert wird, dann ist Deutschland der Sandsack, auf den man einprügelt. Merkel mit Hitler-Bärtchen, Schäuble mit Pistole, SS-Uniformen und Hakenkreuze gehören dabei zur Grundausstattung. Denen, die da glauben, die Nazi-Karte spielen zu müssen, sei gesagt, dass die Adressaten der Kritik eher die eigenen Regierungen sein sollten. Berlin allerdings ist an dieser Diffamierungswelle durchaus mitschuldig.

Auf Zypern etwa ist die Frage an den Wähler angebracht, warum er es zugelassen hat, dass ein Bankensystem entstand, dessen Geschäftsmodell die Unterbringung von Schwarzgeld war. Es mutet seltsam an, wenn man in Nikosia Deutschland beschimpft, dessen Steuerzahler tief in die Tasche greifen werden, um die Insel zu retten. Ähnliches gilt für Griechenland. Es ist keineswegs die Schuld Deutschlands, dass dort Steuerhinterziehung ein Volkssport und die Wirtschaft nicht konkurrenzfähig ist. Es war auch nicht das Statistische Bundesamt, das fragwürdige Zahlen geliefert hat, auf deren Grundlage Griechenland den Euro bekam. Und schließlich Frankreich: Ja glaubt man denn in Paris, die deutsche Wettbewerbsfähigkeit ist vom Himmel gefallen? Vor zehn Jahren machte sich alle Welt über uns als den „kranken Mann Europas“ lustig. Dann kamen Schröders Reformen. Die taten richtig weh, machten das Land aber fit. Es ist nicht die Schuld der Deutschen, dass Frankreich einen anderen Weg wählt, sich immer neue soziale Wohltaten genehmigt, seine Leistungsträger verprellt und diesen Kurs mit dem Niedergang der Industrie und hoher Arbeitslosigkeit bezahlt.

Es liegt in der Natur der Sache, dass der stärkste Staat in einem Staatenbund Kritik auf sich zieht. Allerdings hat die Bundesregierung zur Verschärfung beigetragen, indem über Jahrzehnte das Scheckbuch locker saß und der Euro nicht als ökonomisches, sondern als politisches Projekt behandelt wurde. Ersteres führte zu Abhängigkeiten und Anspruchsdenken. Das Zweite zur Überdehnung der Eurozone. Bei all dem ist Europa als „Friedensprojekt“ unter die Räder gekommen. Man muss es deutlich sagen: Nie war soviel Unfrieden in der EU wie heute in der Eurokrise.


Den Autor erreichen Sie unter 
Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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