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Wulff im Fokus

18.01.2014

Als Verwaltungsjurist ist Lothar Hagebölling Zeit seines Beamtenlebens ein Mann der Akten gewesen. Undenkbar, dass solche Großpartys wie der „Nord-Süd-Dialog“ des Landes Niederachsen zusammen mit Baden-Württemberg ohne penible Vermerke des damaligen Chefs der niedersächsischen Staatskanzlei stattgefunden hätten. Dass der für die Partys zuständige Ex-Regierungssprecher Olaf Glaeseker dagegen ein eher lockeres Verhältnis zu Akten besaß, könnte Teil seines Problems sein, warum der frühere enge Vertraute von Ministerpräsident Christian Wulff jetzt wegen Bestechlichkeit vor Gericht steht. Die Sponsorensuche für den Partyveranstalter Manfred Schmidt soll Glaeseker mit Gratisurlauben und Freiflügen belohnt worden sein. Doch immer mehr stellt sich die Frage: Wie sehr handelte Glaeseker bei der Sponsoren-Akquise ganz im Sinn von Wulff? Dieser bestreitet jeden Verdacht, dass Glaeseker in seinem Namen unterwegs war. Die Zweifel an dieser Darstellung Wulffs wachsen immer mehr.

Denn die Zeugenaussage Hageböllings rückt den damaligen Ministerpräsidenten stärker in den Fokus, wenn es um Details der sündhaft teuren Promifeten geht. Wulff verfolgte mittels Nord-Süd-Dialog mit Baden-Württemberg gleich drei Ziele: Das politisch angespannte Verhältnis wegen zahlreicher Konflikte um Volkswagen und Porsche sollte geglättet und Niedersachsen neben dem wirtschaftlich erfolgreichen Baden-Württemberg auf Augenhöhe gehoben werden. Außerdem sollte etwas Glanz und Glamour für das eher biedere Hannover abfallen. Ausführlich schildert der Ex-Staatssekretär, wie eminent wichtig ein Gelingen der Veranstaltungen für Wulff war.

In einer solchen Situation hätte ein Scheitern Wulff dem Spott der Öffentlichkeit ausgesetzt. Wenn nicht mehr. Was macht ein Regierungschef in dieser Lage: Er erkundigt sich ausführlich, wie es läuft. Er macht mächtig Druck, wie Hagebölling bestätigt. Konnte sich Wulff leisten, dass die Promisausen an der Finanzierung scheitern? Weil Sponsoren fehlten? Niemals. Tatsächlich nahm Wulff seinen zuständigen Regierungssprecher in die Pflicht, sich intensiv um das Medien-Ereignis zu kümmern. Mit allen Konsequenzen. Wulff war die treibende Kraft.


Den Autor erreichen Sie unter 
Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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