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NWZonline.de Region

Großer Zapfenstreich: Ein Knef-Klassiker und ein DDR-Hit

30.11.2021

Berlin Es komme schon mal vor, heißt es im Bundesverteidigungsministerium, dass vor den Proberäumen des Stabsmusikkorps der Bundeswehr gelauscht wird, um herauszubekommen, welche Musikstücke gerade eingeübt werden. Denn eigentlich soll die Auswahl für den Großen Zapfenstreich „eine Überraschung sein“, so ein Sprecher. Meist sickern die Wunschtitel doch durch – wie bei der Kanzlerin.

200 Gäste

Am Donnerstagabend wird sich die Bundeswehr von Angela Merkel mit dem Großen Zapfenstreich verabschieden. Ihre Minister sind dabei, der Bundespräsident kommt, alles in allem werden im Hof des Bendlerblocks, dem Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, 200 Gäste unter strengen Corona-Auflagen erwartet. Die Kanzlerin wird noch eine kurze Ansprache halten, dann geht‘s los.

Der Große Zapfenstreich ist das bekannteste und höchste militärische Zeremoniell, mit dem scheidende Amtsträger geehrt und besondere Anlässe gewürdigt werden. Die Choreographie steht fest: Aufmarsch, Serenade, geregelte Musikfolge und Ausmarsch der Truppe. Abweichungen sind nur mit Genehmigung des Verteidigungsministeriums erlaubt – und zum Zapfenstreich gehören immer auch 76 Fackelträger. Als Mitte Oktober vor dem Reichstag der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr mit der Zeremonie gewürdigt wurden, gab es genau daran Kritik.

Während der Serenade erklingen die Titel, die sich der oder die zu Ehrende gewünscht hat. Merkel hat sich demnach für den Hildegard-Knef-Klassiker „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ entschieden. Außerdem soll der DDR-Hit „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen und das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ gespielt werden – Merkel ist Tochter eines Pfarrers. Schon immer ist die Auswahl politisch gedeutet worden. Oder es wurde damit bewusst ein Zeichen gesetzt.

Über Merkels Botschaften ist nichts bekannt. Womöglich will sie mit den Titeln eine Brücke zwischen Ost- und West schlagen; vielleicht möchte sie sich nach 16 Jahren anstrengender Kanzlerschaft selbst mit „roten Rosen“ belohnen. Wird Merkel gerührt sein? Von der Musik, der Abendstimmung, den Fackeln, dem endgültigen Abschied? Das Fernsehen überträgt live.

Merkels bekannte Vorgänger

Gerhard Schröder war es jedenfalls. Merkels Amtsvorgänger ließ „Summertime“ von George Gershwin, das „Moritat von Mackie Messer“ aus der Dreigroschenoper und als Höhepunkt „My Way“ von Frank Sinatra spielen. Das passte zum Selbstbild des Genossen. Hat te der SPD-Mann nicht gegen alle Widerstände die Agenda 2010 durchgesetzt? War er seinen Weg nicht immer unbeirrt gegangen? Schröder war damals so sehr vom Spiel eines Trompeters ergriffen, dass ihm die Tränen über das Gesicht kullerten.

Dazu passt, was Helmut Kohl, Schröders Vorgänger, in seinen Memoiren geschrieben hat: Er habe damals seine Gefühle beim Zapfenstreich nicht in Worte fassen können, so der CDU-Mann. Die Rührung sah man Kohl 1998 aber an. Für ihn wurde „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“, der Choral „Nun danket alle Gott“ und Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ gespielt. Titel, die zum Pfälzer passten. Kohl ließ seinerzeit die Bundeswehr vor dem Dom zu Speyer aufmarschieren. Der Stadt war er immer besonders verbunden.

Auch bei Ursula von der Leyen war die Botschaft mehr oder minder klar – als sie 2019 ihren Posten als Verteidigungsministerin aufgab, um EU-Kommissionspräsidentin zu werden, spielte das Musikkorps „Wind of Change“ von den Scorpions. Persönlich nachvollziehbar, politisch ebenso: Von der Leyen hatte der Bundeswehr einige Reformen auferlegt, um sie effizienter zu machen. Allerdings mit wenig Erfolg. Einer ihrer Vorgänger, CSU-Mann Karl-Theodor zu Guttenberg, ließ es richtig krachen, nachdem er 2011 wegen seiner Plagiatsaffäre als Verteidigungsminister zurücktreten musste. Unter anderem „Smoke on the Water“ von Deep Purple spielten die Soldaten. Da mussten einige Musikliebhaber kräftig schlucken. Doch die Rock-Hymne stand dann doch sinnbildlich für das Drama, das sich zuvor um Guttenberg abgespielt hatte - und hatte er nicht auch eine Zeitlang die Politik gerockt?

Bundespräsident Joachim Gauck wünschte sich 2017 „Über sieben Brücken musst du gehen“ von der DDR-Band Karat; Gauck sah sich im Amt ja auch als Brückenbauer. Sein Vorgänger Christian Wulff wiederum ließ nach seinem Rücktritt im März 2012 wegen einer Privatkredit-Affäre „Over the Rainbow“ von Judy Garland spielen. Manch einer verstand dies als Hinweis, dass Wulff sich einen viel schöneren Platz ohne Ärger gewünscht hätte. Ist Merkel übrigens erst einmal verabschiedet, steht der nächste Große Zapfenstreich bereits im Dezember an: für die derzeit geschäftsführende Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Ihre Musikwünsche? Bislang ein Geheimnis.

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