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NWZonline.de Region

Kräftige Spuren in Bronze und auf Glas

14.01.2012

VECHTA Die Ruhe schreit einem ins Gesicht: Weite grüne Felder, durchbrochen von einzelnen Bäumen, kaum einmal durchschneidet ein Auto die Landschaft, dafür häufiger Hasen oder Rehe. Wenig gibt es im lichtdurchfluteten Atelier auf einer ehemaligen Hofanlage vor Vechta, das Künstler Albert Bocklage von der Arbeit ablenken könnte – und von der Suche nach Ideen. Ruhe-Raum – als solchen könnte man das Atelier bezeichnen, das Bocklage vor 20 Jahren aus einem schlichten Stall geschaffen hat. Die in die Dachfläche eingezogenen großen Fenster durchfluten den Raum mit Licht.

Spuren hat Albert Bocklage im gesamten nordwestdeutschen Raum hinterlassen. Auf einen „Bocklage“ stößt, wer Kirchen im Nordwesten besucht. Häufig sind es Fenster, manchmal komplett neu gestaltete Sakralräume. In mehr als 50 habe er schon gearbeitet, erzählt der 73-Jährige. 1981 gestaltete er die Klosterkirche der Dominikaner in Füchtel (Landkreis Vechta) und die den Raum umfließenden Fenster. Ein „echter Bocklage“ ist auch der Chorraum der Kirche St. Prosper in Gehlenberg (Landkreis Cloppenburg), die er 2009 veränderte. Zurzeit entwirft Bocklage ein Konzept für die Umgestaltung einer frühgotischen Kirche im emsländischen Herzlage. Dort werde er den Altar in Form eines Monoliths als Gegenpol zur barocken Ausstattung setzen, berichtet Bocklage, während er das Modell des Altars in Händen dreht.

Modelle und Entwürfe gehen jedem Projekt voraus. Viel Platz benötigt Bocklage dafür. Zum Beweis entrollt er einen fast neun Meter langen Karton eines bleigefassten Kirchenfensters, das er in Sendenhorst ausgeführt hat, auf dem Stäbchen-Parkett. „Die Struktur des Bodens hilft bei der Arbeit“, sagt der Glasmaler. Dieser gibt Linien vor, an denen sich Bocklage orientieren kann.

Sich mit seinen 73 Jahren aufs Altenteil zurückziehen? Kein Gedanke daran. „Ich will zeigen, dass ich noch da bin“, sagt Bocklage. Wie zum Beweis hat er jüngst den Wettbewerb für die Gestaltung der Chorfenster in St.-Josef in Lünen und den Wettbewerb zur Chorgestaltung in Hallenberg (Sauerland) gewonnen.

Wenn Bocklage zurückblickt auf sein Schaffen, bemerkt er vor allem, dass seine Arbeiten nicht an Ausdruckskraft verloren haben. Vielleicht sind die Farben sogar kräftiger geworden.

Studiert hat Bocklage in Düsseldorf und Krefeld freie Malerei und Glasmalerei. „Eine spannende Zeit.“ Mit Josef Beuys und Gerhard Richter waren zu dieser Zeit zwei Künstler in Düsseldorf an der Kunstakademie, die später Weltruhm erlangen sollten. Allerdings: Das viel diskutierte Kirchenfenster von Gerhard Richter im Kölner Dom hält der Vechtaer aus künstlerischer Perspektive nicht gerade für einen großen Wurf.

Als sein persönliches Karrieresprungbrett sieht Bocklage die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb für die Gestaltung des Westfensters und der Galenschen Kapellen im Dom zu Münster. Er belegte kurz nach Abschluss seiner Examen den siebten Platz und kam in die engere Wahl. Danach folgten größere Aufträge, unter anderem in der Erphokirche in Münster, in der Abteikirche in Liesborn/Lippstadt oder in der Kirche Christus-Königin in Duisburg-Rheinhausen. Heute, nach mehr als 40 Jahren, in denen Bocklage sakrale Räume im Oldenburger Raum, in den Diözesen Münster, Osnabrück oder Paderborn entworfen hat, weist ihn nicht zuletzt sein Ruf als Fachmann aus.

Die Gestaltung sakraler Räume ist sicherlich ein Schwerpunkt seiner Arbeit, jedoch nicht der einzige. Manchmal geht es bei Bocklage auch ganz profan zu. Die Love-Parade in Berlin – Bocklage: „schreckliche Musik“ – hat ihn zu einem schrill-bunten Acryl-Bild inspiriert, das am Kopfende seines Ateliers den Blick der Besucher auf sich zieht.

Der Blick wandert weiter, über sauber aufgereihte Pinsel und ausgedrückte Farbtuben hinweg bleibt er auf einem Holztisch mit kleinen Plastiken hängen, Modelle für seine großen Bronzen. Vor zwei Jahren war Bocklage damit beauftragt worden, den historischen Cloppenburger Siedlungskern in Bronzerelief darzustellen. Monatelange Kleinstarbeit folgte, bevor das Modell im Oktober in Cloppenburg aufgestellt werden konnte. Das Miniatur-Konterfei, das auf der Anrichte in der ersten Reihe steht, gehört zu dem aus Visbek (Landkreis Vechta) stammenden Maler Heinrich Klingenberg. Aus diesem Modell schafft Bocklage eine Bronze-Plastik, die in den nächsten Monaten im Zentrum Visbeks aufgestellt werden soll.

Auf Spurensuche muss sich auch der Betrachter der Bocklage-Werke begeben. Und findet dabei manchmal Unerwartetes. Etwa ein kleines Zitat, das Bocklage in eine Plastik eingearbeitet hat. So wie bei den „Spielenden Kindern“, die an der Strandpromenade von Wangerooge stehen.

Reiner Kramer
stv. Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2901

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