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NWZonline.de Nachrichten Kultur

12.000 Zeitzeugen-Interviews sind geplant

05.07.2017

Berlin /Bonn Zweiter Weltkrieg, Holocaust, Gründung von BRD und DDR, Wiedervereinigung: Die vergangenen Jahrzehnte deutscher Geschichte sind eine Fundgrube für Historiker. Von den Ereignissen legen nicht nur Objekte und Dokumente Zeugnis ab, sondern auch Menschen. Doch die Zahl derjenigen, die noch selbst von weit zurückliegenden Ereignissen wie den Holocaust berichten können, geht bekanntlich stetig zurück. In zahlreichen Archiven und Museen lagern Zeitzeugen-Interviews in Bild und Ton. Sie sind teilweise in so schlechtem Zustand, dass sie dringend aufgearbeitet werden müssen. Etwa, wenn sie auf Tonbändern oder Super-8-Filmen gespeichert sind.

Hier kommen Sie auf das Zeitzeugen-Portal

Auf Initiative von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kümmert sich die Stiftung Haus der Geschichte in Bonn seit Jahresanfang um diese historischen Quellen. Unter Federführung des Museums für Zeitgeschichte in der ehemaligen Hauptstadt der Bundesrepublik sollen Tausende Zeitzeugen-Interviews gesichtet, aufgearbeitet und am Ende in einer zentralen Datenbank der Öffentlichkeit und Forschung zugänglich gemacht werden. Am Dienstag nun wurde das Internet-Portal mit den ersten rund 1.000 Interviews - darunter auch mit dem erst kürzlich gestorbenen ehemaligen Kanzler Helmut Kohl - freigeschaltet, das Projekt in Berlin vorgestellt.

„Mehr und mehr Zeitzeugen verstummen, und es ist klar: Die persönlichen und äußerst bewegenden Berichte dieser Menschen können wir nicht ersetzen“, erklärte Grütters bei der Präsentation laut vorab verbreitetem Text. Es gehöre zu den wichtigen kultur- und erinnerungspolitischen Aufgaben, das Vermächtnis von Zeitzeugen zu bewahren, zu schützen und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

„Es ist ein Stück weit Grundlagenarbeit“, hatte Stiftungs-Präsident Hans Walter Hütter am Jahresanfang die Aufgabe beschrieben. Es geht um aufgezeichnete Gespräche zum Beispiel mit Holocaust-Überlebenden, prägenden Politikern in Bonn und Berlin, Stasi-Opfern, Sportlern, Kirchenvertretern - und zahlreichen anderen Menschen, die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg oder die Euphorie am Tag des Mauerfalls erlebt haben. Oder den vom RAF-Terror geprägten „Deutschen Herbst“ 1977, der sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt.

Die Bestände gehören Hütters Angaben zufolge knapp 50 von Grütters geförderten und finanzierten Einrichtungen. Darunter seien vor allem die NS-Gedenkstätten, SED-Erinnerungsorte, die Politikerstiftungen und die großen Geschichtsmuseen des Bundes. An der Datenbank wird in enger Kooperation mit den Einrichtungen gearbeitet. Mit dem Bundesarchiv ist eine Kooperation zur Langzeitarchivierung vereinbart.

Viele kleinere Einrichtungen hätten oft nicht die personellen und finanziellen Möglichkeiten, vorhandene Interviews unter sachgerechten konservatorischen Bedingungen zu lagern, so Hütter. „Wir wollen daran mitwirken, diese Bestände zu erhalten, zu digitalisieren und zu erschließen.“

In die Datenbank soll auch das eigene Interviewprojekt des Hauses der Geschichte zur Historie der Bundesrepublik einfließen. Darunter sind Hütter zufolge Gespräche mit Altkanzler Helmut Schmidt, den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Roman Herzog, dem Nazi-Jäger Simon Wiesenthal, dem Fußballidol Uwe Seeler und dem ehemaligen Präsidenten des europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering.

Die aktuell verfügbaren rund 1.000 Interviews stammen vom Verein „Gedächtnis der Nation“, der nicht fortgeführt wird. Allein bei den von der Staatsministerin für Kultur und Medien geförderten Institutionen befinden sich noch rund 12.000 Zeitzeugeninterviews. Diese Bestände liegen in unterschiedlicher Qualität und verschiedenen Formaten vor.

Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt am Haus der Geschichte solle auch mögliche thematische Lücken - oder auch Doppelungen - offenbaren, erklärte Hütter. Für dieses Jahr stünden dafür 500.000 Euro des Bundes und vier Mitarbeiter zur Verfügung. Geplant sei, „inhaltliche, methodische, wissenschaftliche und technische Standards“ zu entwickeln. Eine „Servicestelle“ solle es am Ende werden. Für Hütter steht fest: „Zeitzeugenmaterial ist Quellenmaterial allererster Güte.“

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