Bergedorf - Im Bergedorfer Krug scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Gedankenverloren schlendert Irmgard Grundmann durch den großen Saal. 2005 musste sie den Dorfkrug schließen, seit 2013 ist wieder Leben in der Bude: Die Gaststätte wird nun als Museum genutzt, unzählige Exponate erzählen eindrucksvoll die Geschichte des Dorfkrugs.
Von der Gründung im Jahr 1875 an war der Krug Mittelpunkt Bergedorfs. So führte die erste Telefonleitung von hier zur Poststelle nach Falkenburg. Im Sommer sei der Wetterbericht durchgegeben und angeschlagen worden. Ab 1931 war im Gebäude auch eine Poststelle untergebracht, die bis 1971 in Betrieb war.
Daran erinnert sich auch Irmgard Grundmann noch. Sie wurde 1942 geboren und wuchs in Dingstede auf. Mit ihrem Mann Karl-Heinz, Urenkel von Dorfkrug-Gründer Hinrich Grundmann, übernahm sie 1962 den Gasthof. „Hier war immer was los, wir hatten auch viele Hilfen in der Wirtschaft“, erzählt sie. Von morgens bis nachts sei sie auf den Beinen gewesen, habe im Laden und in der Gaststube gearbeitet. „Wenn es geregnet hat, habe ich auch noch die Post mit dem Auto verteilt“, ergänzt sie schmunzelnd.
Ab Mitte der 1950er Jahre wurde der Saal regelmäßig in ein Kino verwandelt, und die aktuellen Kinohits waren zu sehen. 1958 wurde die Diele zum Saal umgebaut, Bühne und Sektbar wurden ergänzt, ebenso eine Theke. Zuvor seien auf der Diele vor jedem Ball Tanzplatten verlegt worden, so steht es in Hermann Mesters Chronik über Bergedorf (1987).
Der Ausbau zahlte sich aus. „Alle zwei Wochen war großer Tanz bei uns“, erinnert sich Grundmann. „Die Blue Boys sind hier groß geworden.“ Die vierköpfige Band tourte in den 60er und 70er Jahren durch die Discos der Region. Auf die Blue Boys folgten „Disco International“ und später die „Trust Top Disco“. In einem Nebenraum zeigt Grundmann lächelnd auf eine Stehlampe: „Die haben mir die Blue Boys zur Hochzeit geschenkt.“
Der Laden wurde 1973 zum Kaminzimmer umgebaut. In den folgenden Jahrzehnten feierten Schützenverein und Feuerwehr ihre Bälle im Saal, Theaterstücke wurden aufgeführt und Familienfeiern abgehalten.
1993 verstarb Karl-Heinz Grundmann, und Irmgard kümmerte sich fortan allein um die Wirtschaft. Bis 2005. „Ich wollte die Wirtschaft nicht aufgeben, das tat ganz schön weh. Aber ich konnte allein nicht mehr“, sagt sie. Trotzdem blieb sie in Bergedorf. „Es hat immer so viel Spaß gemacht, davon kann ich mich einfach nicht trennen“.
Heute freut sie sich, nebenbei die Ausstellung zu haben. „Michael Müller, der früher bei uns gearbeitet hat, kam auf die Idee, und gemeinsam haben wir das alles aufgebaut.“ Den Saal vermietet sie auch an Gesellschaften, komplett mit Küche und Geschirr. „Bis zu 120 Leute kommen hier unter.“ Die ehemalige Wirtin wohnt noch immer in dem Gebäude an der Alten Dorfstraße und hält die vielen Räume in Stand. „Und ich bleib hier, ich möchte hier nicht weg.“ → Die Ausstellung ist sonntags geöffnet, weitere Termine können unter
