• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: 170 Minuten erhöhter Pulsschlag

12.03.2013

Oldenburg Eine Aufführung von Bachs Matthäus-Passion dauert gemeinhin um die 200 Minuten. Die Passion ist das protestantische Hohelied auf Christi Sterben und des Menschen Schuld mit Texten des Evangelisten Matthäus, des Bachfreundes Picander und von Choral- und Kirchenlieddichtern wie Paul Gerhardt.

Zu Bachs Zeiten unterbrach nach Teil 1 eine ungefähr einstündige Predigt die Darbietung, so dass der Gottesdienstbesucher die Kirche nach fast viereinhalb Stunden verließ, mutmaßlich erfüllt, dankbar und geläutert.

Für die Matthäus-Passion in der St.-Lamberti-Kirche Oldenburg am Sonntag brauchten der Lambertichor Oldenburg, das Barockorchester La Dolcezza, die Mädchenschola St. Willehad und eine Reihe hochmögender Gesangssolisten unter der Leitung von Tobias Götting ganze 170 Konzert-Minuten plus predigtfreie 15-Minuten-Pause.

Chor brilliert

Und dennoch dürften die Besucher sich nicht weniger erfüllt, gerührt, beseelt und erhoben gefunden haben wie vor fast 300 Jahren. Der endlose, offensichtlich von Herzen kommende Applaus, der folgte, sprach sehr für die Richtigkeit dieser These – und für die zeitlose Wirkung dieses Inbegriffes von Bachs Kunst, elementare menschliche Regungen wie Hass und Zärtlichkeit, Trauer, Mitleid und Trost in Klänge zu überführen.

Die Oldenburger Umsetzung profitierte ungemein von Göttings gewohnt geschmeidigem Dirigat, das alle motiviert und sicher führt. Ein durchgängig erhöhter Pulsschlag, musikantische Beweglichkeit zumal des gut aufgelegten Orchesters und eine straffe Abfolge beförderten Einheitlichkeit und Eingängigkeit des Werkes.

Der Chor brilliert. Leuchtende Höhen, markant sonore Tiefen, blitzsaubere Intonation und dazu ein traumwandlerisch sicherer Einsatz aller Möglichkeiten des reichen dynamischen Spek­trums markieren immer wieder Atem raubende Momente.

Mit Jan Krobow agierte ein perfekter Tenor. Seine schöne lyrische Stimme erzählt eindringlich und lebendig. Jörg Hempel (Jesus) ist als Bass eine Bank. Vanessa Barkowski, Alt, und Veronika Winter, Sopran, zeigen mit entspannt warmen Stimmen, wie glücklich Distanz und Emotion sich vereinen lassen.

Raumfüllendes Organ

Christian Immler aber (Pilatus und Arien), ein Bassbariton, setzt die Glanzlichter in einer an Höhepunkten reichen Aufführung: Mit konturiertem, raumfüllendem Organ deutet er den Text in allen Facetten aus. Das Bessre ist des Guten Feind, und so sei die Frage gestattet, warum sich der Sänger, der Immler in Sachen Stimmgewalt und Markanz am nähesten kommt, der Bassist Sebastian Groß, mit Nebenrollen wie Petrus oder Judas befassen muss. Er hätte gewiss einen vorzüglichen Jesus gegeben.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.