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24-Stunden-Serie Allein unterwegs in der Nacht

Peter Kratzmann
WILDESHAUSEN - Es ist drei Uhr am frühen Morgen. Jens Fischer streift sich eine Warnweste über. „Das muss sein, hat der Chef gesagt“. Fischer ist 60 Jahre alt und 15 Jahren Zeitungszusteller der

NWZ

 -Zustellgesellschaft, kurz ZG. Er ungeduldig auf seine Uhr. „Eigentlich ist der Fahrer mit den Zeitungen schon um 2.45 Uhr hier, aber das klappt eben nicht immer“, erzählt Fischer. Seine weiteren Gedanken spricht er nicht aus, weiß aber, dass es für ihn und die anderen Austräger in Wildeshausen eng wird. Für die Zeitungsverteilung haben sie sonst gut drei Stunden Zeit – mit der Verspätung des Fahrers schmelzen diese dahin. „Bis 6 Uhr muss die Zeitung beim Leser sein. Ist sie nicht da, dann hagelt es natürlich Anrufe“, berichtet Fischer.

Zusteller Bodo Pries kommt mit seinem Rad um die Ecke gefahren. Ein Blick in den Holzschuppen hinter dem NWZ-Gebäude in der Westerstraße und auch er weiß: Jetzt ist warten angesagt.

Jens Fischer weiß sich zu helfen: „Ich fahre jetzt zur Go-Tankstelle. Das ist der zentrale Punkt, der zuerst vom Fahrer angefahren wird“.

3.15 Uhr – Auch an der Tankstelle liegen noch keine Zeitungen. Vor Ort steht bereits Heiko Ohmstede – der „Zuko“. Eine Abkürzung der Zusteller für Zustellkoordinator. Seit drei Jahren hat Heiko Ohmstede diesen Posten inne. Er wacht über die pünktliche Zustellung und springt bisweilen auch selber ein, wenn ein Zusteller ausfällt. „Auch heute fahre ich selber wieder eine Auslieferung. Ohnehin ist Personalknappheit Alltag. Wir suchen dringend Zusteller“, so Ohmstede.

Kein leichter Job: In dieser Nacht ist niemand außer den Zustellern auf der Straße. Der Wind bläst kräftig. „Jetzt fehlt nur noch Regen, dann ist die Sache perfekt“, schaudert Fischer zusammen. Doch der Regen bleibt – zum Glück – aus.

Plötzlich tauchen Scheinwerfer auf der Delmenhorster Straße auf. Ein Kleintransporter hält an der Tankstelle: die langersehnte Zeitungslieferung aus Oldenburg. Schnell werden die Türen geöffnet. Auf einmal herrscht Ruhe, die Zusteller nehmen konzentriert ihre, in Folien nach Touren sortierten, Zeitungen entgegen. „Jetzt eben die Korrekturen schauen, die Zeitungen in die Hängetaschen am Fahrrad deponieren und los geht es.“ Jens Fischer ist einer der ersten, der die Tankstelle verlässt.

Der erfahrene Zusteller versorgt die Leser in der Innenstadt, bis Zwischenbrücken und von der Delmenhorster bis zur Harpstedter Straße. Dazu kommen noch Aushilfstouren. „Ich bin auch schon bis zum Pestruper Moor raus. Das kann ganz schön unbehaglich sein, wenn es in der Nacht durch kaum bewohnte Gegenden geht“, denn der Zusteller ist stets mit dem Fahrrad unterwegs.

Fischer hat nicht nur die Nordwest-Zeitung im Gepäck. Die

NWZ

 -Zusteller übernehmen auch die Verteilung von anderen überregionalen Zeitungen, zum Beispiel „Die Welt“ oder die „Frankfurter Allgemeine“. „Da muss man schon genau aufpassen, wo die Zeitungen hinkommen“, erklärt Fischer und schaut auf die gedruckten Kontrollzettel. Aus denen ist ersichtlich, zu welcher Verteilungstour die Zeitungen gehören.

Normalerweise verteilt er täglich rund 220 Zeitungen an sechs Tagen in der Woche. Heute sind es an diesem Morgen locker 300.

Wenn alle Zeitungen verteilt sind, macht sich Fischer an die Verteilung der Citipost-Briefe, die er ebenfalls austrägt. Kurz vor Mittag hat der Zusteller dann Feierabend. Inzwischen sind rund neun Stunden vergangen. Danach ist Ruhe nötig, denn der Wecker klingelt wieder um 2 Uhr.

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