Norderschwei - Durch den Saal Woronesch des Kreishauses in Brake geht ein Raunen: „Endlich haben einmal die Richtigen das Bundesverdienstkreuz bekommen.“ Darüber sind sich alle Gäste einig, die die Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Christel und Gerhard Roos begleiten.
Ausgebildete Erzieherin
Das Ehepaar, das seit 2001 in Norderschwei wohnt, hat schier Übermenschliches geleistet: Der evangelische Pastor Gerhard Roos und seine Frau Christel, eine Erzieherin, haben 25 Kinder großgezogen – drei leibliche, drei Adoptivkinder, sieben Kurzzeitpflegekinder und zwölf Dauerpflegekinder, darunter sieben mit unterschiedlich schweren Behinderungen.
Eine Schwiegertochter hatte die Ehrung angeregt, der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler sorgte dafür, dass es klappt. Der stellvertretende Landrat Dieter Kohlmann überreichte die Orden.
„Gerade durch die Aufnahme in eine Pflegefamilie haben Sie den Kindern das Gefühl von Geborgenheit und Wärme gegeben, das für eine erfolgreiche Erziehung von größter Bedeutung ist“, sagte Kohlmann. „Sie haben den Kindern ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.“ Viele der Adoptiv- und Pflegekinder, die das Ehepaar Roos aufgenommen hat, hätten sonst ihre Kindheit und Jugend in Heimen verbringen müssen.
Die Kraft für diese Aufgabe habe das Ehepaar aus seinem christlichen Glauben geschöpft, sagte Dieter Kohlmann.
Gerhard Roos wurde 1943 in eine hessen-nassauische Pastorenfamilie geboren, auch Christel Roos kam 1946 als Tochter eines Pfarrers zur Welt. Sie ließ sich bei der Diakonie zur Erzieherin ausbilden, und als sie bei einem Praktikum Heimkinder kennenlernte, beschloss sie, selbst eines aufzunehmen und ihm eine Familie zu bieten.
Gerhard Roos war als Pfarrer in Rheinland-Pfalz tätig, und dass er und seine Frau seit 1969 so viele Adoptiv- und Pflegekinder aufnahmen, ergab sich nach und nach. Von 1983 bis zu seinem Vorruhestand 2000 war Gerhard Roos als Religionslehrer an einer Berufsschule in Lahnstein tätig.
Ab 1989 engagierte sich das Ehepaar auch im Bundesverband behinderter Pflegekinder. Gerhard Roos war von 1990 bis 1995 Vorsitzender, Christel Roos beriet Eltern bei Problemen mit der Sozialhilfe und Krankenkassen, aber auch bei Arztgesprächen.
Hans Meinen dankt
1994 kauften sie ein Ferienhaus in Norderschwei, in dem sie seit 2001 dauerhaft wohnen. In Stadland haben sie die Integration behinderter Kinder wesentlich vorangetrieben – etwa im Kindergarten und in der Schule in Schwei. Dafür dankte ihnen der ehemalige Leiter der Grundschule, Hans Meinen. Er ist ein Freund der Familie.
Glückwünsche sprachen auch Bürgermeister Boris Schierhold und der Landtagsabgeordnete Björn Thümler aus.
Gerhard Roos betonte, seine Frau und er hätten die große Zahl der Kinder immer „als wahnsinnigen Reichtum“ erlebt. Der Verzicht auf Freizeit und Kultur sei ihnen durch die Liebe der Kinder mehr als vergolten worden. In Kürze wird auch das letzte behinderte Pflegekind, der 18-jährige Markus, die Familie verlassen und in eine Wohngruppe ziehen.
