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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: 33 Umdrehungen verändern die Welt

31.08.2011

OLDENBURG Knistern und Knacken, Schall und Rauschen – als am 31. August 1951 die Deutsche Grammophon Gesellschaft in Düsseldorf eine schwarze Kunststoffplatte mit einem Durchschnitt von 30 Zentimetern zum Drehen brachte, ging Klassikfans in Deutschland ein Herz auf. Es war ein Violin-Konzert von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Sie war die erste Vinyl-Langspielplatte auf dem deutschen Markt und revolutionierte den Musikkonsum in den Wohnzimmern der Republik. 20 bis 30 Minuten konnte man nun lauschen, bevor man sich aus dem Sessel erheben und umdrehen musste. Genug für eine Symphonie oder einen Operntakt. Die Schellackplatte war nach vier bis acht Minuten je Seite zu wenden. Ein Graus für Klassikfreunde, deren schönste Stunde nun schlug.

Polyvinylchlorid (PVC) war das Material, aus dem die Langspielplatte gepresst wurde. Als LP wurde sie ein Hit auf Millionen Plattentellern. Anfang der 80er Jahre, auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, wurden knapp 80 Millionen in der Bundesrepublik verkauft.

30 Jahre lang drehte sie sich schwarz und später auch bunt. Bis etwas geschah, das die Welt der Plattenfreunde erschütterte. 1981 wurde auf der Funkausstellung in Berlin die Compact Disc (CD) vorgestellt, eine kleine Silberscheibe, die den Niedergang der Langspielplatte einleitete, nicht aber ihren Tod. Experten und Discjockeys schwören bis heute auf die LP. Technics, ein japanischer Hersteller für Unterhaltungselektronik baut bis heute Geräte für professionelle Plattenaufleger.

In meinem Kinderzimmer wurde 1981 ein Abspielgerät der Firma Thorens aus dem Schwarzwald aufgestellt. Es war aus dunkel gebeiztem Holz und einem Plattenteller, den ich kaum alleine zu heben vermochte. Mein Großvater hatte mir das analoge Monstrum vermacht, mit dem er jahrelang seine geliebten Opern zu genießen pflegte.

Den Geburtstag dieses Jahres, es sollte mein zwölfter sein, konnte ich kaum erwarten, denn ich plante einen Bruch mit der Tradition der Musik, die sonst ertönte, wenn sich der Tonarm des schweren Thorens-Plattenspielers senkte. Die Geburtstagsbriefe durchforstete ich nach Glückwünschen und D-Mark-Scheinen und hoffte, es würden sich genug finden, um eine Langspielplatte kaufen zu können. „L.A. Woman“ von der US-Rockband The Doors sollte es sein, und mir war klar, dass diese Anschaffung einen nicht zu kittenden Bruch mit der Kultur der Hausmusik bedeuten würde.

In meiner Heimatstadt betrieb ein suspekter Mensch den Phonoladen „Plattenkiste“. Ich erinnere mich nur schemenhaft an ihn, denn er war stets in eine Rauchwolke eingehüllt und das Reden war nicht sein Metier. Er war Musiker und Musikliebhaber, und sein Laden hat den Siegeszug der CD über die LP nicht überstanden, wie ich heute weiß. Ich habe ihm damals 22,90 Mark überreicht, um meine erste LP zu kaufen.

Er hat das Geld schweigend angenommen. Heute kauft man keine Musik mehr, man lädt runter. Aber das ist eine andere Geschichte.

Frank Jungbluth Chef vom Dienst (bis 2012)
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