Spätestens seit gestern ist in Ganderkesee mit dem ersten Büttenabend die heiße Phase des Faschings angebrochen. Eine junge Dame war gestern nicht nur das allererste Mal auf einem Büttenabend, sondern die 41-jährige Tina Siemers aus Ganderkesee war auch gleich eines der Highlights im vierstündigen Programm. Als „Antje aus Holland“ hat sie „Pikantjes“ zu erzählen, und für den einen oder anderen Besucher gibt es auch noch echten Käse und Tulpen aus Holland.
Dass die Besucher gestern ein „neues Gesicht“ auf der Bühne erleben konnten, war eher ein Zufall. „Torge Kublank hat mich angesprochen, ob ich nicht einmal Lust hätte mitzumachen“, erzählt mir Tina Siemers. Nach anfänglichem Zögern sagte sie zu. Da auch die Verantwortlichen vom Büttenabendprogramm von ihr angetan waren, stand ihrem Auftritt nichts mehr im Wege.
„Ich war schon etwas nervös, denn es waren ja alles neue Eindrücke für mich“, berichtet Tina Siemers. In unserem Gespräch antwortet sie mir mal in einem holländischen und dann wieder in einem bayrischen oder sächsischen Dialekt. „Ich brauche es nur einmal zu hören, und schon kann ich es“, verrät sie mir. Bisher hatte sie „nur“ auf Feiern im Familien- oder Freundeskreis einige Auftritte.
Wenn sie mit Freunden unterwegs ist, spricht sie schon einmal ganz spontan ihr nicht bekannte Menschen in einem ihrer Akzente an. „Dann gehen einfach die Pferde mit mir durch“, so Tina Siemers. „Wir alle, auch die Angesprochenen, haben jedes Mal ganz viel Spaß.“
Ihre Freunde beschreiben Tina als eine Frohnatur, die auf Menschen zugeht und dabei das Herz auf dem rechten Fleck hat. „Andere Menschen zum Lachen zu bringen, finde ich schön“, diesen Satz erwähnt sie in unserem Gespräch gleich mehrmals.
Ein Buch der legendären Heidi Kabel heißt: „Manchmal war es nicht zum Lachen“, und genau dieses trifft auch auf Tina Siemers zu. Sie ist in Delmenhorst aufgewachsen und war viel bei ihren Großeltern Martha und Herbert Siemers auf dem Bauernhof in Habbrügge. Ihre Eltern trennten sich schon, als Tina und ihr jüngerer Bruder noch nicht zur Schule gingen. Mit dem zweiten Ehemann ihrer Mutter und ihrem Stiefvater Dieter Gloth war das Familienglück aber wieder perfekt.
Nach ihrem Schulabschluss begann sie 1983 eine Ausbildung zur Friseurin bei den „Barbieren“ in Delmenhorst. Danach sammelte sie praktische Erfahrung in Friseursalons in Bremen und auch in Hamburg. „In Hamburg habe mich super wohlgefühlt, bin aber wegen einer Beziehung wieder nach Ganderkesee zurückgekehrt.“
Sie arbeitete gerade in einem Friseursalon in Ganderkesee, als sie vor drei Jahren während der Arbeit massive gesundheitliche Probleme bekam. Im Krankenhaus wurde ein Schlaganfall diagnostiziert. „Obwohl es ein leichter Schlaganfall war, lebe ich seitdem bewusster und habe das Leben schätzen gelernt.“ Sie sei toleranter gegenüber anderen Menschen geworden. „Die kleinen Dinge des Lebens können mich schon erfreuen!“
Gesundheit steht bei ihr aber an erster Stelle. Regelmäßig geht sie Laufen oder ist im Sommer mit ihren Inlinern unterwegs. Auch genießt sie es, mit Freunden zusammen zu sein.
Einer von Tinas Wünschen: Sie möchte auf der Bühne in einem Theater stehen. „Schon als Kind haben wir uns im Garten eine kleine Bühne aufgebaut. Das hat immer ganz viel Spaß gemacht!“. Bühnenerfahrung wird sie auch heute beim 2. Büttenabend machen, wenn sie als „Antje“ ihren holländischen Prinzen sucht.
Tina Siemers, die bei den Ganderkeseer Büttenabenden als „Antje aus Holland“ debütiert
