Speyer - Wer zum ersten Mal Gegenstände aus seiner Vergangenheit in einem Museum findet, wird damit konfrontiert, dass er nicht mehr ganz jung sein kann. Da ist es schön, wenn man gleichzeitig auf höchst angenehme Art und Weise wieder in die eigene Jugend zurück versetzt wird – so wie in der Ausstellung „40 Jahre Playmobil – Eine Abenteuerreise durch die Zeit“ im historischen Museum der Pfalz in Speyer.
Bereits 2004 hatten die Speyrer mit einer Ausstellung zum 30. Geburtstag der rund 7 Zentimeter hohen Plastikfiguren viele Besucher begeistert. Seit November 2013 führt jetzt eine „Reisegruppe“ aus fünf Playmobil-Figuren die Besucher durch die zweite Playmobil-Schau auf rund 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
Besonders Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren stehen mit leuchtenden Augen vor den Vitrinen. Es ist ihnen anzusehen, wie gern sie jetzt zwischen den kleinen Plastikfiguren sitzen würden. Sie wollen den allerersten Zirkus mit den blauen Bänken um die Manege aufbauen, das Fort mit einer Gruppe Indianer angreifen oder am liebsten wie früher gleich das Piratenschiff in der Badewanne schwimmen lassen.
Die Badewanne fehlt hier natürlich, und auch die mittlerweile historischen und seltenen frühen Varianten der Spielwelten sind nicht zum Anfassen da. Dennoch haben die Ausstellungsmacher an den Spieltrieb ihrer Besucher gedacht. Immer wieder finden sich zwischen den liebevoll aufgebauten Szenarien und den meterhohen Riesen-Playmobil-Figuren auch große Spielbereiche, vollgestopft mit Figuren, Tieren, Fahrzeugen und Gebäuden. Da sieht man sie dann wieder sitzen, die Männer und auch Frauen, die sich eben noch die Nase an den Glasscheiben platt gedrückt haben. Gemeinsam mit ihren Kindern vergessen sie die Zeit und die Menschen um sich herum und versinken im Spiel.
Viel hat sich geändert, seit die ersten drei Figuren – ein Ritter, ein Bauarbeiter und ein Indianer – im Jahr 1974 in die Läden kamen. Der steigende Ölpreis hatte damals dazu geführt, dass Kunststoff teuer und das Spielzeug notgedrungen kleiner wurde. Horst Brandstätter, Chef des Unternehmens Geobra Brandstätter, gab damals seinem Chef-Entwickler Hans Beck den Auftrag, ein neues Spielsystem zu entwickeln. Seitdem haben sich die Figuren kontinuierlich weiter entwickelt. Immer mehr Körperteile wurden beweglich, die Figuren differenzierter, die Gebäude, Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände detaillierter. Wie sehr Playmobil ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen ist, zeigt der Wandel der Spielfiguren.
Zunächst gab es nur männliche, 1976 kamen weibliche Figuren hinzu, über die Jahre wurden diverse Körperformen entwickelt. Heute gibt es Playmobil-Figuren mit den verschiedensten Ethnien, und selbstverständlich sind die Plastik-Frauen heute auch in „Männerberufen“ wie bei der Polizei oder der Feuerwehr zu finden. Die Speyrer Ausstellungsmacher beschränken sich aber nicht nur darauf, die Entwicklung der Figuren und der Marke Playmobil nachzuzeichnen – sie nutzen die Figuren auch zur Geschichtsvermittlung. Verschiedene Szenerien zeigen etwa die Varusschlacht oder das Hambacher Fest, einige Inszenierungen kommen von privaten Playmobil-Sammlern, die Märchengeschichten, Seeschlachten, oder eine Straßenansicht aus dem 19. Jahrhundert erbaut haben.
Zwischen den Figuren finden sich an den Wänden des Museums Gemälde und Fotografien, in denen sich Künstler mit der Spiele-Welt auseinandergesetzt haben. Viel Begleitmaterial zur Entwicklung von Playmobil und Einblicke in die Produktion ergänzen das Angebot.
Nicht nur für jung gebliebene, ehemalige Playmobilfans lohnt ein Besuch in dieser spannenden Ausstellung.
