Bösel - Der große Wandkalender hinter dem Schreibtisch weist nur noch wenige orange markierte Tage auf, danach wechselt die Farbe der Markierung ins Grün. Die Tage von Martin Brinkmann in der Gemeindeverwaltung in Bösel sind gezählt. Zum Ende des Monats geht er in den Vorruhestand. Er arbeitet Xenia Nording, die seine Aufgaben im Ordnungsamt übernehmen wird, bereits ein, damit der Übergang fließend ist.
Dass Martin Brinkmann am 1. April 1970 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Bösel begann, verdankt er seinen Eltern. „Ich wäre auch gerne Kaufmann oder Priester gewesen“, blickt der 61-jährige Brinkmann auf mehr als 43 Jahre im Verwaltungsdienst zurück. „Ich kann nicht gut sitzen und bin lieber unterwegs“, begründet der in Petersdorf aufgewachsene und in Bösel lebende Brinkmann seine Aussage.
In der Gemeindeverwaltung hat der Vater von drei Kindern alle Ämter außer der Kasse durchlaufen. Besonders spannend habe er die Arbeit im ehemaligen Sozialamt in Erinnerung, das er von 1980 bis 2000 geleitet hat. „Dort hatte ich Entscheidungsfreiheit und konnte im Verborgenen viel Gutes tun“, berichtet Brinkmann.
Viele Paare hat der seit 36 Jahren verheiratete Brinkmann seit dem 1. Mai 1977 – damals wurde er zum Standesbeamten ernannt – in den Hafen der Ehe geführt – bis zu seiner letzten Trauung am vergangenen Freitag (s. Bild oben) insgesamt 750. Zu Beginn seiner Laufbahn habe er sich natürlich einen Leitfaden geschrieben. „Seit 20, 25 Jahren mache ich das aber aus dem Stegreif“, erzählt Brinkmann – „in lockerer Art und Weise“. Seine Erfahrungen als Laienschauspieler bei der DJK Bösel kommen ihm da gelegentlich zur Hilfe. (Brinkmann: „Die tollste Rolle ist doch die des Blödmanns, der die Leute zum Lachen bringt.“)
In seinen Ansprachen spielt oft der Alltag eine Rolle. Gelegentlich zitiert er auch einmal einen Satz aus einem Rosamunde-Pilcher-Film. Zu Herzen genommen hat er sich aber den Ratschlag seines damaligen Ausbilders: „Die Eheleute haben an diesem Tag den Kopf mit anderen Dingen voll.“ Der Standesbeamte dürfe sich nicht zu wichtig nehmen.
Eine „Schlüsselrolle“ kam Brinkmann aber zu, als er einmal nach einer Trauung das Rathaus abgesperrt hatte und ihn wenig später der Bräutigam Zuhause anrief. Die Braut war noch kurz zur Toilette gegangen, ohne dass es jemand bemerkt hatte – und war prompt eingesperrt. Erst, nachdem sie sich lautstark durch ein Fenster bemerkbar gemacht hatte, konnte der Bräutigam seine Frau wieder in die Arme schließen.
Dass der Ruhestand mit großen Schritten näher kommt, zeigten ihm in den vergangenen Jahren die Hochzeitspaare: „Immer öfter habe ich Kinder von Eltern getraut, die ich schon getraut hatte.“
Auf „vielen Hochzeiten tanzen“ wird Brinkmann wohl auch in seinem bevorstehenden Ruhestand. Schließlich ist sein ehrenamtliches Engagement schon jetzt beeindruckend: In der Landjugend war er aktiv, war Kompanieführer der fünften Kompanie, im Pfarrgemeinderat aktiv, ist bis heute in der Kolpingfamilie, ist Kommunionhelfer, im VdK und hilft bei der Kreuzbundgruppe Friesoythe Alkoholkranken. Brinkmann: „Gemeinschaft macht für mich das Leben lebenswert.“
