Oldenburg - Waldtraut Kück erntet bei der Oldenburger Tafel selten Widerspruch. Doch als die beliebte Mitarbeiterin bei ihrer Nachfeier zum 90. Geburtstag in einer geselligen Frühstücksrunde das Wort „aufhören“ in den Mund nimmt, folgt sofort stürmischer Protest. „Weißt du eigentlich, dass es ab einem bestimmten Alter hier kein Kündigungsrecht mehr gibt“, scherzt ein Kollege. Waldtraut Kück lacht.

Mit ihren 90 Jahren ist sie immer noch ehrenamtlich für die Tafel, die seit 1996 Lebensmittel an Bedürftige verteilt, aktiv. „Angefangen habe ich im März 1998, noch in den Räumen an der Amalienstraße“, erinnert sie sich: „Wir haben die Lebensmittel wie Brot und Gemüse noch selbst bei den Geschäften oder am Großmarkt abgeholt.“ Vor 17 Jahren war Kück noch in der Ausgabe tätig, nun hat sie die „Herrschaft über das Brotregal“, erzählt die Vorsitzende Inka Ibendahl.

Jeden Donnerstag sortiert die muntere Jubilarin vormittags Brot und Brötchen, damit es die Kollegen bei der späteren Verteilung leichter haben. „Ich merke, dass mein Leben dadurch einen Sinn hat“, freut sich Kück. „Man gibt bei der Tafel etwas, aber man bekommt auch viel zurück“, begründet sie den Reiz ihrer Aufgabe, die ihr noch immer viel Freude bereitet.

Wie es ist, Hunger zu leiden, hat sie als junge Frau selbst erfahren. In Husbäke „mitten im Moor“ geboren und aufgewachsen, erlebte sie dort den Krieg und die Not der frühen Nachkriegsjahre mit. Das prägte. „Wenn sich jetzt die Kinder über ein Brötchen freuen, das ich ihnen gebe, ist das ein schönes Gefühl“, berichtet die 90-Jährige, die vor ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Tafel lange Zeit beim Fernmeldeamt beschäftigt war.

„Ich mag Tätigkeiten in Gemeinschaft“, erzählt Kück. So singt sie in mehreren Chören, vor allem im Gesangverein „Einigkeit Donnerschwee“. Am Sonntag feiert Kück ihren Geburtstag mit ihrer Familie nach. „Im engsten Kreis, mit 44 Leuten“, lacht sie. „Waldtraut kommt mit allen gut aus“, lobt Ibendahl und weiß, was sie an ihr als Mensch und zuverlässiger Mitarbeiterin hat.

In den vergangenen 17 Jahren erlebte Waldtraut Kück mit, wie die Oldenburger Tafel immer mehr wuchs. Damals arbeiteten 20, nun rund 100 Leute mit, blickt sie zurück, als eine Mitarbeiterin der Bahnhofsmission hereinkommt. Sie umarmt das Geburtstagskind und gratuliert mit einem Rosenstrauß. „Die Bahnhofsmission beliefern wir von Anfang an mit Brötchen“, erzählt Kück, ehe sie mit ihrem Team beginnt, die Regale zu sortieren.

Abschließend gibt sie dann doch noch Entwarnung: „Ich bleibe der Tafel noch erhalten – bis die mich rausschmeißen.“ Aber das wird garantiert nicht passieren.

Die Öffnungszeiten der Oldenburger Tafel (Kaiserstraße 14): dienstags bis donnerstags 13 bis 16 Uhr.