ABBEHAUSEN/RODENKIRCHEN - Auf der Bühne des Freilichttheaters in Rodenkirchen spielt im dritten Kapitel der kleine Didde (Marc oder Leon Oberfeld) mit Ives von Hohenkirchen (Monika Hattermann). Didde war der Sohn von Dude, und hätte es ihn nicht gegeben, gäbe es die Familie Lübben nicht. So aber verbanden jetzt 37 Lübbens ihren traditionellen Familientag mit dem Besuch der Aufführung „Dude und Gerolt – Der Bruderkuss".

Es war der so genannte Langenrieper Zweig der Lübbens, der sich die eigene Familiengeschichte auf dem Rodenkircher Marktplatz ansah. Langenriep ist die Bezeichnung für eine Hofstelle südlich von Abbehausen. Sie wurde um 1880 von Georg-Anton Lübben begründet und wird heute von Georg und Hendrik Lübben bewirtschaftet.

Bruderkuss-Roman

„Dieser Familienzweig ist der einzige, der noch den Namen Lübben trägt", weiß der Rodenkircher Friedrich Lübben, der das Treffen organisiert hat. Aus ihm sind zahlreiche Persönlichkeiten, die auch außerhalb der Wesermarsch bekannt sind, hervorgegangen. Bekanntester Angehöriger der Familie war Heinrich Gerhard Lübben (1883 bis 1931), ein Studienrat in Bremerhaven, der die Familiengeschichte niederschrieb und 1922 unter dem Pseudonym Garlich Frerking einen Roman über den Bruderkuss veröffentlichte. Bekannt geworden ist Heinrich Gerhard Lübben außerdem als Gründer der Tiergrotten in Bremerhaven, heute Zoo am Meer, die am 1. August 1913 eröffnet wurden.

Der Bruder von Heinrich Gerhard Lübben war Dr. Karl-Friedrich Lübben, der Fach- und Chefarzt des Städtischen Krankenhauses in Bremerhaven war. Sein Sohn Gerold Georg Leopold, geboren 1910, kam als Kommandant des Passagierdampfschiffes „Steuben" ums Leben. Nachdem das sowjetische U-Boot S 13 am 30. Januar 1945 das Passagierschiff „Wilhelm Gustloff" mit rund 10 300 Menschen an Bord in der Ostsee versenkt hatte, feuerte es wenig später zwei Torpedos auf die „Steuben" ab. Innerhalb von 15 Minuten sank das Schiff. An Bord hielten sich etwa 4000 Menschen auf – etwa 2800 Verwundete, 300 Angehöroge des medizinischen Personals, 150 Mann Besatzung und 900 Flüchtlinge. Nur 600 Schiffbrüchige wurden gerettet.

Von 2 bis 88 Jahre

Familienmitglieder von der 18. bis zur 21. Generation nach Dude waren beim alle zwei Jahre stattfindenden Familientreffen am Sonntag dabei – von zwei bis 88 Jahren. „Sie alle waren stolz darauf, ihre Familiengeschichte auf der Bühne zu erleben", freut sich Friedrich Lübben. Die Handlung werde verständlich wiedergegeben.

Übrigens: Nicht nur der Nachname Lübben ist durch Dudes Sohn Didde erhalten geblieben. Nachdem der Häuptling in Bremen geköpft war, wuchs der Kleine bei Ivesa, der Schwester von Dude und Gerolt, auf. Sie wird in dem Stück von Insa Fröhlich gespielt. Zwei Ivesas saßen am Wochenende auf der Tribüne.