Abbehausen - Auf einmal heißt Abbehausen „Ajanta“. Und plötzlich liegt dieses Abbehausen mitten in Indien. In der Sporthalle stehen mannshohe Palmen aus Pappe. Affen turnen auf ihnen, Tiger und Elefanten schleichen um sie herum.
Die Vorsitzende des regionalen Gewerbeverbandes droht, das Dorf platt zu machen, um hier ein großes Einkaufszentrum zu erbauen. Zwei Dutzend schwarzer Gestalten, die ein wenig an die „Grauen Herren“ aus Michael Endes Jugendroman „Momo“ erinnern, fallen ins Dorf ein und demonstrieren mit Sprüchen wie „Shoppen statt beten“ und „Nieder mit Ajanta“ für das Projekt der Zukunft. Die Bewohner Ajantas aber haben die Stirn sich zu wehren. Ihre Waffen: Solidarität, Lebensfreude, feuriger Tanz, heiterer Gesang, mystisch-indische Musik. Und tatsächlich: Am Ende gewinnen sie.
Es war eine Erzählung mit viel Herz, ein Bollywood-Musical ganz nach dem Strickmuster der Unterhaltungsindustrie Mumbais, des ehemaligen Bombay. In die Rolle der Bewohner des heiligen Ortes Ajanta schlüpften die 126 Kinder der Grundschule Abbehausen. Eine (Projekt-)Woche lang lernten sie, zu fühlen wie sie. Angeleitet wurden sie dabei von vier Profis der Musical-Production Lamira Faro aus Rosenheim, die vom Förderverein der Schule engagiert und bezahlt wurden. Während dieser Woche überwanden die Schüler ihre Scheu, sich frei und voller Lebensfreude einmal, andächtig zurückhaltend ein anderes Mal, und doch eingebunden in eine strenge Choreographie, zu bewegen.
Am Freitagnachmittag in der Sporthalle war ihr großer Auftritt. Eltern, Großeltern und Freunde hatten rund um die offene Bühne Platz genommen. Mit gut 200 Zuschauern eine herrliche Kulisse für die 126 schon Stunden vor ihrem Auftritt heiß lampenfiebernden Akteure. Schulleiterin Evelyn „Mahatma“ Dannheim-Sausner, selbst indisch gekleidet, gab den Startschuss: „Die Kinder haben eine Woche lang geschuftet. Und wir Erwachsenen auch. Und nun Bühne frei!“
Eine Stunde lang verwandelte sich die Sporthalle in Ajanta. In ihrer schillernden Show mit prächtigen, glitzernden, farbenfrohen Kostümen, lauter Musik und quirligen Tänzen hatte die beeindruckend große Schar von Akteuren schnell den gesamten Raum für sich vereinnahmt. Als kurz vor Schluss der Bollywood-Story unerwartet aber alles doch noch einmal auf der Kippe stand, weil es ja nur Kinder seien, die für Ajanta stehen, waren unerwartet auch alle Erwachsenen gefordert, mitzumachen. Jeder Schüler reichte einem die Hand und führte ihn auf die Tanzfläche: „Lasst uns Ajanta retten!“ Ein herrlicher Spaß, kurzweilig und unterhaltsam.
