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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Film: Abschied vom letzten Macho

28.06.2016

Duisburg /Oldenburg Er war Horst Schimanski, der legendäre raubeinige Duisburger „Tatort“-Kommissar, er verkörperte den Reporter Hermann Willie – „mit Akzent auf dem ,e’“ – auf der Suche nach Hitlers Tagebüchern, und er spielte den KZ-Kommandanten Rudolf Höß („Aus einem deutschen Leben“) oder gab den Serienmörder Fritz Haarmann in „Der Totmacher“.

Auch wenn das Vernuschelte und das Macho-Gehabe einiger seiner Figuren anstrengen konnte: Götz George deckte in Kino- und TV–Produktionen ein unglaubliches Spektrum ab – und das bis jenseits der 70 stets auch mit hohem körperlichen Einsatz und als wunderbarer Macho. Umso mehr überraschte am Sonntag, wie berichtet, die Nachricht von seinem Tod. George starb bereits am 19. Juni 77-jährig in Hamburg an einer Krebserkrankung.

Seine Karriere begann in den 1950er Jahren am Theater. Bühnen hielt er ungeachtet seiner anderen Engagements lange die Treue. Dem breiten Publikum bekannt wurde der gebürtige Berliner durch Leinwand und Mattscheibe. In den 1960er Jahren wirkte er in Karl-May-Verfilmungen mit. Den Anfang machte „Der Schatz im Silbersee“. Im Wilden Westen, den der deutsche Film in Jugoslawien einfing, begab er sich als Fred Engel auf die Suche nach den Mördern seines Vaters.

Die Suche nach dem Vater: Sie beschäftigte George auch im echten Leben. Heinrich George war ebenfalls Schauspieler, und was für einer. 1931 glänzte er in der Verfilmung von Alfred Döblins „Alexanderplatz“. Doch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 verdüsterte sich das Bild. Heinrich George wirkte unter anderem in dem antisemitischen Streifen „Jud Süß“ mit. 1946 starb der „Jahrhundertschauspieler“ in sowjetischer Gefangenschaft.

In einem berührenden Dokudrama zeichnete Götz George 2013 mit Regisseur Joachim A. Lang das widersprüchliche Leben des Vaters nach. Der bleibe für ihn stets „Vorbild, Freund“, betonte Götz George. Selbst schon ein „Alter“, lief George auch in kleinen Produktionen zu großer Form auf. In „Nacht ohne Morgen“ beispielsweise spielte er 2011 einen von schwerer Krankheit gezeichneten Staatsanwalt. Leise, zurückhaltend nähert er sich seiner Figur.

Dabei konnte George auch poltern und nölen – nicht nur in Filmrollen wie in Helmut Dietls „Rossini“. So ätzte er über das in Teilen aufgehübschte Duisburg, in dem sein „Schmuddel-Kommissar“ Schimanski einst ermittelte, die Stadt sei kaum mehr wiederzuerkennen. Die volle Packung bekam Moderator Thomas Gottschalk 1998 in Oldenburg in der Weser-Ems-Halle in „Wetten, daß...? ab, als ein sichtlich genervter George ihn anraunzte: „Komm auf den Film zu sprechen – der ist mir wichtiger als das, was Du jetzt redest.“ Die Mehrheit der 1000 Zuschauer in der Halle buht und pfeift den missmutigen George aus. Gottschalk meistert die Situation souverän. Der Film, um den es ging, hieß „Solo für Klarinette“ – nicht unbedingt einer von Georges besten.

Götz George war von 1966 bis 1976 mit der Schauspielerin Loni von Friedl verheiratet; er hat eine Tochter aus dieser Ehe. 2014 heiratete George die Journalistin Marika Ullrich. Am vergangenen Mittwoch wurde George in Hamburg im engsten Familienkreis beigesetzt.

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