Hude - Es ist still geworden in den Räumen der Huder Jugendherberge. Die letzten Flüchtlinge sind mittlerweile ausgezogen. Und auch das Stimmengewirr, wenn Schulklassen oder andere Gruppen hier ihre Freizeiten verbrachten und nach aktiven Stunden in der Natur zum Essen zurückkehrten, wird nicht wieder erklingen.

Mit Wehmut geht Hausleiterin Kirsten Jensen-Gentsch durch die Räume. 13 Jahre lang war sie Leiterin der Herberge.

„Es ist gut, dass es noch dieses eine Jahr Übergangsphase mit der Flüchtlingsunterbringung gab“, sagt Jensen-Gentsch. „Das war noch einmal eine Bereicherung“, sagt sie. Mit den Bewohnern habe sie eine tolle Gemeinschaft gelebt.

So war auch ein bisschen mehr Zeit, sich auf den endgültigen Abschied vorzubereiten. Denn die Jugendherberge Hude geht aus wirtschaftlichen Gründen „vom Netz“.

Nach Horstedter Sand, Wildeshausen und Sandhatten schließt sie als letzte Jugendherberge im Landkreis Oldenburg für immer.

Zigtausende von jungen Menschen haben Hude bei Klassenfahrten und Freizeiten kennen gelernt. Sie haben hier vielleicht ihre ganz eigenen, prägenden Erfahrungen gemacht, wie es der damalige Bundespräsident Horst Köhler in einem Grußwort zum 100-jährigen Bestehen des Jugendherbergswerkes im Jahr 2009 beschreibt. Köhler nennt den Geschmack von Freiheit, das Erlebnis von Natur und Abenteuer, das Gefühl von Gemeinschaft.

Das alles hat Kirsten Jensen-Gentsch mit ihrem Team auch in den vergangenen 13 Jahren zu vermitteln versucht. „Das hat Freude gemacht. Das war einfach mein Leben“, sagt die 59-Jährige. Bevor sie 2003 mit ihrem Mann Manfred als ihr Assistent nach Hude kam, hatte die gebürtige Dänin 18 Jahre die Jugendherberge Bad Bederkesa geleitet.

Erlebnisse „rund ums Pferd“ und Naturerlebnisse zu vermitteln, war ein großes Ziel in den Jahren in Hude. Kooperationen gab es unter anderem mit Reiterhöfen.

Die Jugendherberge bot den Gästen ein Rund-um-Paket. „Wir hatten tolle Partner“, sagt Jensen-Gentsch.

So kam beispielsweise die Erlebnispädagogik ins Programm. Schnitzeljagden im Wald, Paddeln auf der Hunte, regionale Höfe wurden besucht. Nur einige Beispiele. Längst kamen nicht mehr nur Schulklassen und Wanderer. Gerade auch Familien stießen in den Sommerferien dazu.

„Wie kann man Großstädter für Erlebnisse auf dem flachen Land begeistern?“ – Das sei die Herausforderung gewesen. Die angebotenen Naturerlebnisse kamen gut an. Dank Gutsverwalterin Greta von Witzleben habe ein kleines Wäldchen gleich nebenan für einen Erlebnisparcours in der Natur zur Verfügung gestanden. Es gab eine Kooperation mit den Landesforsten. Im Sommer lag zudem das Naturbad gleich nebenan.

Die Klosterruine und die Freunde des Klosters Hude wurden vielfach mit eingebunden.

Zuletzt hatte die Huder Jugendherberge 85 Betten im Haupthaus und in den Sommerhäusern auf dem Gelände.

In den Spitzenzeiten waren es oft mehr als 10 000 Übernachtungen pro Jahr. Kirsten Jensen-Gentsch hat ihre 13 Jahre zusammengerechnet und kommt auf 126 626 Übernachtungen seit 2003.

Das sind jetzt Erinnerungen. Erinnerungen an eine spannende und schöne Zeit in Hude. Ein dickes Lob gehe an das gesamte Team. Es habe tolle Arbeit geleistet, gerade auch im letzten Jahr. 13 Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte waren es zum Schluss gewesen. Auch sie mussten Abschied nehmen von ihrer Arbeitsstelle.

Klaus Derke
Klaus Derke Redaktion Hude