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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Ächzendes Zahnrad im Hintergrund gibt den Takt vor

16.05.2011

WILHELMSHAVEN Auf den ersten Blick sind es äußere Umstände, denen die kleinen Leute zum Opfer fallen: Die Tratschsucht und Ausweglosigkeit des Provinznestes, in dem Bahnwärter Thomas Hudetz seinen Dienst versieht. Die gnadenlose Dichte seines Dienstplans, die weder Zeit für einen Dämmerschoppen im Wirtshaus lässt noch für einen Kuss mit der Wirtstochter. Bedrohlich ächzt das große Zahnrad im Hintergrund der Bühne zwischen den sieben Bildern, als sei der Bahnwärter persönlich darauf geflochten.

In Wahrheit schickt Ödön von Horváth in seinem letzten Schauspiel „Der Jüngste Tag“ die Protagonisten aus Sprachlosigkeit über eigene Gefühle zum Jüngsten Gericht. Hudetz handelt einen Moment lang pflichtvergessen, als er ein Haltesignal vergisst – und verursacht damit eine Katastrophe. Hätte er sich früher seine Liebe zur Wirtstochter Anna eingestanden, wäre es dazu aber kaum gekommen. Verwirrt glaubt er, nur der Mord an seiner heimlichen Geliebten könne ihn von diesem Fluch befreien.

Was die Justiz im späten 19. Jahrhundert mit der Suche nach Tatmotiven und psychologischen Erklärungsmustern vormachte, vollzieht Horváth in seinem Schauspiel 1937 nach. Damit nutzt er das Kolorit seiner deftigen Volksstücke als Folie für einen erstaunlich modernen Psychothriller. Gerhard Hess, Intendant der Landesbühne Niedersachsen Nord, machte daraus am Sonnabend im Wilhelmshavener Stadttheater einen packenden Theaterabend.

Vor der stilisierten Industriekulisse von Diana Pähler, durch die später die Geister in Hudetz’ Kopf kletterten, entwarf Hess ein Panoptikum der Sprachlosigkeit. Die Figuren wirkten wie von höherer Warte hineingestellt. Vor allem Verena Karg versinnbildlichte als drauflos plappernde Dorftratschtante die wortreiche Ignoranz des Herdentriebs, der sich nach äußeren Stimmungen, statt nach eigenen Überzeugungen richtet.

Der 25-jährige Christian Simon, vor genau einem Jahr Absolvent der Essener Folkwang-Hochschule, musste sich in seine erste große Hauptrolle des Hudetz erst hineinfinden. Zum Ende hin brachte er die Ambivalenz des Protagonisten zum Klingen, der empört jede Schuld von sich weist und doch über schlaflose Nächte klagt. Der Rest der Figuren ist gut besetzt, vor allem Julia Blechinger als pathologisch eifersüchtige, aber letztlich auch hilflose Ehefrau Hudetz, Sara Spennemann als Verführerin Anna, die erst zu spät ihre wahren Gefühle offenbart und Christoph Sommer als poltriger Wirt und Annas Vater, ein Aufwiegler in Trachten-Outfit. Axel Julius Fündeling gibt den Drogisten Alfons, Bruder der Frau Hudetz. Als Einziger durchblickt er die Verwirrungen, fügt sich aber letztlich ebenfalls den Verhältnissen.

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