Elsfleth - „Et hätt noch immer jot jejange.“ Mit diesem hoffnungsvollen Kölner Spruch begab sich der in Wuppertal gebürtige Kommunikationswirt und Autor zahlreicher Bücher, Matthias Gerschwitz, im Jahr 1994 zur Untersuchung in die Praxis seines Hausarztes. Die niederschmetternde Diagnose: Er ist HIV-positiv.
Schreckliche Diagnose
Wie der, bis dahin, erfolgsgewohnte Medienmensch mit dieser erschreckenden Diagnose und der Angst vor der AIDS-Erkrankung leben muss, wie sich sein Alltag veränderte, wie Familie und Freunde damit umgehen, hat Matthias Gerschwitz in seiner Chronik „Endlich mal was Positives“ im Jahr 2009 veröffentlicht. Und nicht nur das: Er sucht mit Lesungen und Vorträgen intensiv den Kontakt zu Jugendlichen.
In der Elsflether Oberschule an der Wurpstraße stand den Schülerinnen und Schülern jetzt ein fröhlich-optimistischer Mensch gegenüber, einer der ohne erhobenen Zeigefinger kein Blatt vor den Mund nimmt, der Tacheles redet und sexuelle Begriffe nicht mit nebulösen Metaphern verbrämt. Der Autor las nicht nur Passagen aus seinem Buch, er suchte auch das Gespräch mit seinen jungen Zuhörern – und er bekam es.
36 Tabletten täglich
„Ein HIV-positiver Freund von mir musste in seiner Therapie 36 Tabletten rund um die Uhr, auch nachts, einnehmen“, erzählte Matthias Gerschwitz, „so wollte ich nicht enden, ich wollte keine Therapie, zumal sich die Erreger drei Monate nach der Diagnose verminderten.“ Seine „Hoffnung auf Wunderheilung“ trog, als sich die Werte verschlechterten, war eine Therapie unausweichlich. „In meinem Blut tummelte sich etwas, was dort nicht reingehörte und beanspruchte lebenslanges Wohnrecht.“
Den Schülern zeigte Matthias Gerschwitz seinen aktuellen Tablettenkasten, der ihn täglich begleitet. Neun Tabletten in hübschen Farben, Wert 115 Euro täglich. Matthias Gerschwitz erzählte weiter, wie er die Familie – ausgenommen seine Eltern – informierte, wie die Kollegen reagierten. „Zunächst waren alle ratlos.“
Seit zwanzig Jahren ist Matthias Gerschwitz jetzt HIV-positiv, sein Leben ist eine Gratwanderung, die er mit viel Humor und Optimismus meistert. Und er wird nicht müde, den Jugendlichen „safer sex“ nahezulegen: „Wenn jeder an sich selber denkt, dann ist an alle gedacht. Ob homosexuell oder heterosexuell, Kondome sind immer noch die sicherste Methode, nicht HIV-positiv zu werden.“