Bösel - „Die Bühne scheint mir der Treffpunkt von Kunst und Leben zu sein.“ Oscar Wilde. Kunst trifft Leben auch auf der Bühne in der Aula der Oberschule Bösel. Dort proben die Akteure der DJK-Theatergruppe für ihr neues Stück „Frolü-Power“. Und die Kulissenbauer werkeln auch noch.
Das Schild mit der Aufschrift „Bergquell Pilsener“ über der Theke leuchtet hell. Franz Seppel schließt noch schnell die Zapfanlage an. Der Eindruck einer Kneipe soll möglichst realistisch dargestellt werden. Neben einigen Details fehlen noch die Tapeten an den Wänden. Der Werkzeugkoffer ist ständiger Begleiter.
Auf der Bühne geht es mächtig zur Sache. Der schwerhörige Wirt, gespielt von Hermann-Josef Seppel, hat anderes zu tun, als den Besuchern seiner Kneipe Bier einzuschenken. Stefan Kenter, Michael Brinkmann und Matthias Preuth – sie spielen einen Feinkostlanden-Besitzer, einen Brauereibesitzer und einen Metzgermeister – sitzen gemütlich am Tisch. „Mehr nach vorn sprechen“, sagt Anita Hempen, als es zu gespielten Handgreiflichkeiten auf der Bühne kommt. Sie führt auch in diesem Jahr wieder Regie.
Der Bürgermeister, gespielt von Peter Wendeln, stürzt in die Gaststube stürzt. „Dat gifft dat doch woll nich“, poltert der, schnurstracks auf dem Weg an die Theke. Gemeint ist, dass die Frauen der Männer – allesamt Ratsherren – mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl antreten wollen. Hier und da hakt der Text noch. Aber Textbücher sind auf der Bühne mittlerweile Tabu.
Damit der bis zur Premiere des neuen Stücks am kommenden Sonnabend sitzt, wird derzeit unter Hochdruck geprobt, fast täglich. Souffleuse Elke Hülskamp spricht immer wieder Textanfänge in den Raum, die die Schauspieler aufgreifen und wieder in die „Spur finden“.
„Dat giff eine Katastrophe“, poltert der Bürgermeister. Gemeint ist der Ausgang der Kommunalwahl aus Sicht der Ratsherren, die sich wohleingerichtet haben mit der Kneipe direkt am Dienstzimmer des Bürgermeisters, Dienstfahrten auf die Reeperbahn nach St. Pauli und Besuchen im Striplokal.
Sicher keine Katastrophe wird die Aufführung in der Schulaula: Kommunalwahl und Frauenpower – eine Mischung, die zum Erfolgsrezept in Bösel werden soll. Das Thema hätte angesichts der anstehenden Kommunalwahl nicht besser gewählt werden können.
„Da sehe ich den Korb nicht“, sagt Anita Hempen, die auf der Bühne auch eine der nach Macht strebenden Frauen verkörpert. Immer wieder werden Requisiten verstellt, Stühle verrückt, damit der Ablauf flüssiger wird: der Feinschliff. Der Kunst soll schließlich auch Genüge getan werden.
