Wildeshausen - 1937 in Ottersdorf. Gegenüber dem Bahnhof steht die Bank von Dominikus Schmeinta. Es ist „seine Bank“. Doch ein Schild „Nur für Juden“ hindert ihn plötzlich unvermittelt am Platznehmen. „Juden? Es gibt doch gar keine Juden hier“, so der schwerversehrte Dorfbewohner. 20 Jahre saß er auf seiner Lieblingsbank und nun soll alles vorbei sein?

Mit dem Ein-Personen-Stück „Die Judenbank“ hat Peter Bause (Hamburger Kammerspiele) am Sonntagabend rund 100 Zuschauer im Forum des Gymnasiums Wildeshausen tief beeindruckt. Vor einem Jahr hatte er, ebenfalls als Solist, „Jugend ohne Gott“ zu einem Erlebnis gemacht. Der Kulturkreis Wildeshausen holte ihn erneut in die Kreisstadt, diesmal zusammen mit dem Arbeitskreis „Für Demokratie und Toleranz“ als Beitrag zur Reihe „Gelebte Erinnerung in Wildeshausen“.

Bause lieferte ein Solo von 80 Minuten, das faszinierte. Lediglich eine weiße Bank stand auf der Bühne, dazu eine „Wäscheleine“. Hier wechseln fortwährend die aufgehängten Kostüme und zeigen so die anderen Personen an, die gerade auf der Bühne auftreten: Vom strammen NS-Bürgermeister über die gläubige Schwägerin bis zum Jungen, der an seinem Nazi-Vater zerbricht. Alle neun Rollen spielte Bause, mitunter im rasanten Dialog miteinander. Jede Figur erhält ihre eigene Sprache, ihre eigene Mimik.

Es ist großes Theater, das der 73-Jährige bietet. Sie wirkt beklemmend aktuell, die Geschichte vom menschenverachtenden Fanatismus. Dabei bleibt es dem eigenen Empfinden überlassen, die „Judenbank“ von Reinhold Massag in die Kategorie Schelmenstück oder Realsatire einzuordnen. Zur Interpretation findet sich genügend freier Raum.

Als Dominikus Schmeinta die Welt nicht mehr versteht und in einfachen Worten den Wahnsinn des Nationalsozialismuses in seinem Dorfe erfasst,beschließt er, selbst Jude zu werden. So hofft er, sein Recht aufs Sitzen auf „seiner Bank“ wieder zu bekommen.

Er schreibt sogar dem Führer, er möge ihn doch zum Juden machen. Der Nazi-Apparat sieht das als Provokation und Angriff auf das System. Dominikus Schmeinta kommt zunächst in eine Heil- und Pflegeanstalt, fernab seiner „Judenbank“. Es ist die vorletzte Station in einem mörderischen System, wie die eindringliche Schlussszene andeutet. Sekundenlange Stille im Forum, dann starker Applaus für ein großes Solo.