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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Alle müssen tüchtig wandern

13.09.2016

Bremen Das Orchester sitzt auf der Bühne, Patrick Zielke auf einem Stuhl davor. Dann kommen Loren Lang, Nadine Lehner, Christian-Andreas Engelhardt und Claudio Otelli hinzu. Eigentlich sind sie in ihren Partien noch nicht dran, aber sie übernehmen auch die Rollen der Knappen und Gralsritter.

Es sieht nach konzertanter Aufführung aus. Allmählich verdichtet sich aber die Szene. Fast unmerklich verschiebt und überschreitet Regisseur Marco Štorman die Grenze zwischen konzertanter Aufführung und szenischer Darstellung. Das ist ein schlüssiger Ansatz, zumal ein großer Teil des 1. Aktes von Richard Wagners „Parsifal“ ohnehin nur die Vorgeschichte behandelt.

Parsifal schwebt im Bremer Theater am Goetheplatz vom Bühnenhimmel, einen roten Luftballon in der Hand. Da hat Štorman überzogen. Parsifal ist zwar ein Tor, aber kein Idiot. Großartig der Chor: Die Herren marschieren von den Seiten ein, der Damenchor singt aus dem Foyer, der Knabenchor vom Rang. Ein überwältigendes Klangerlebnis ist die Folge. Auch das Orchester ist inzwischen näher an den Zuschauerraum gerückt. Beim Abendmahl wird er mittels Leuchtbändern komplett erhellt. Wir sind Teil des Ganzen.

Totaler Stellungswechsel im 2. Akt: Das Orchester sitzt im Graben, auf der Bühne ist eine Art Lagerhalle zu sehen, in der Klingsor sein Zauberreich hat. Er selbst wirkt in seinem weißen Showanzug wie ein abgetakelter Unterhaltungskünstler.

Parsifal wirkt bei den Annäherungen Kundrys verlegen. Der Kuss Kundrys bringt ihm die Erkenntnis über Amfortas’ Sündenfall. Seine Schlussfolgerung ist allerdings tödlich. Damit es zukünftig keine Versuchung mehr gibt, ersticht er Kundry. Die hat zwar im 3. Akt noch einen kurzen Auftritt, aber eine Gang von Jugendlichen erledigt den Rest.

Im 3. Akt wieder ein Stellungswechsel: Das Orchester sitzt erneut auf der Bühne, diesmal weit hinten. Das hat Einbußen im Klang zur Folge, zumal auch die Solisten weit hinten stehen. Für den Schluss rollt es wieder nach vorne. Parsifal steht regungslos mit erhobenem Schwert an der Rampe. Mehr passiert nicht, wir sind wieder im konzertanten Teil angelangt.

Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker bescherten ein Klangfest erster Güte. Poschner schlägt mit gut dreieinhalb Stunden Spielzeit ein flottes Tempo an. Das Vorspiel, die Verwandlungsmusiken, die Chorszenen und die Farbigkeit des 2. Aktes – Poschner zaubert einen begeisternden „Parsifal“, der in der Dynamik absolut stimmig ist.

Patrick Zielke hat für den Gurnemanz die besten Voraussetzungen. Wenn er voll „aufdreht“, ist alles bestens. Mit ihrem schlanken Sopran gibt Nadine Lehner der Kundry eine faszinierende Prägung. In der Titelpartie bleibt Chris Lysack zunächst blass. Erst bei „Nur eine Waffe taugt“ findet er zu guter Form und ringt seinem Tenor Glanz ab.

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