• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Knetgummi setzt Fantasie frei

13.07.2019

Hamburg Ein paar farbige Stangen, geschickte Hände und viel Fantasie. Mehr braucht es nicht, um Figuren und Landschaften zu formen. Knete heißt das Zaubermaterial, mit dem Ideen, Träume und Geschichten Gestalt annehmen können. Kinder wissen das. Objektkünstler, Animations-Filmemacher, Produktdesigner, Maskenbildner, Musiker und andere Kreative arbeiten ebenfalls mit Plastilin wie die Modelliermasse auch genannt wird.

Einen unterhaltsamen Überblick über den beinahe grenzenlosen Einsatz von Knetgummi in Kunst, Design und Animation gibt die Ausstellung „Alles kneten. Metamorphose eines Materials“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Die Schau, die zuerst im Gewerbemuseum Winterthur in der Schweiz gezeigt wurde, versammelt über 60 internationale Arbeiten von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart.

Knuddelige Stars

Einen Großteil bilden mit Knete animierte Filme. Deren inhaltliche Bandbreite ist groß und reicht von unterhaltsam und ernsthaft über seltsam und verwirrend bis Schock und Horror. Die Werke sind experimentell, realistisch, cartoonartig in Farbe und Schwarzweiß, stumm und vertont. Die Formate reichen von Kurzfilmen, Musikvideos und Werbeclips bis zu abendfüllenden Spiel- und Konzertfilmen sowie Computerspielen.

Kuratorin Susanna Kumschick einige der knuddeligen Superstars aus der cineastischen Knetgummi-Szene. Darunter den Pinguin „Pingu“ (ab 1986) aus der gleichnamigen schweizerischen Animationsserie, das Mann-Hund-Duo „Wallace & Gromit“ (ab 1989) und „Shaun das Schaf“ (seit 2007). Letztere stammen aus der britischen Produktionsfirma Aardman Animations, die in den 90ern mit einigen oscarprämierten Filmen animierte Knetfiguren populär machten. Sehr beeindruckend ist die aufwendige und detaillierte Disney-Television-Animation-Produktion „Der kleine Horror-Geschenkeladen“ von 2014.

„Knete ist eine Geschichte ohne Ende“, behauptet die Kuratorin und verweist auf animierte Musikvideos wie das 1986er „Sledgehammer“ von Peter Gabriel oder die experimentelle Doku über Frank Zappas Halloween-Konzert 1977 in New York, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden.

Kurze Wand- und Objekttexte informieren über die unterschiedlichen Animationstechniken, welche Arten von Knete es gibt und wie die Figuren aus Plastilin, Drähten und anderen Materialien entstehen. Die Grenze zwischen plastischen Modelliermassen für den professionellen Gebrauch und den unzähligen Kinderzimmer-Variationen ist fließend.

Erfunden hat die vielseitige Modelliermasse 1890 der Münchner Apotheker Franz Kolb. Dieser erfüllte mit dem Gemisch aus Wasser, Öl, Stärke, Wachs und Farbpigmenten – an diesen Grundzutaten hat sich nichts geändert – einen Wunsch seiner Bildhauerfreunde, die mit dem konventionellen Modellierton ihre Not hatten. Denn der fror im Winter in den Ateliers regelmäßig ein und war dann nicht zu gebrauchen.

Kolbs „Kunstthon“, der immer und leicht zu verarbeiten war, begeisterte die Künstler. Zu den berühmten Werken, die mithilfe von Plastilinmodellen entstanden sind, gehört Heinrich Dülls Friedensengel in München-Bogenhausen. Die Firma des Knete-Erfinders existiert bis heute und hat sich inzwischen auf Industrieplastilin spezialisiert für den Designmodellbau.

Reisender Tresen

Dieser spielt auch in der Hamburger Schau eine Rolle. In dem Kapitel „Angewandte Kunst“ steht neben diversen Skulpturen, Theatermasken und Filmrobotern ein maßstabgerechtes Modell des BMW i Visions Dynamics. Das echte E-Fahrzeug feierte vor zwei Jahren Premiere auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main.

Trotz der mittlerweile etablierten 3D-Drucktechnik sind in der Auto- und Spielzeugindustrie sowie in der Maskenbildnerei nach wie vor Modelliermassen angesagt wie Industrieplastilin, das auch als Clay bekannt ist und bei Zimmertemperatur hart wird. Ein Riesenvorteil: Volumen kann abgetragen und bei Erwärmung wieder hinzugefügt werden.

Die Flexibilität von Knetmasse nutzt der Berliner Künstler Henrik Jacob für sein „Café Deutschland International“ (2015). Den Nachbau des Tresens einer Wohnzimmerbar im Berliner Bezirk Wedding hat der gebürtige Dresdner als „reisenden Tresen“ konzipiert. Die Kneipe, die aus Knete, Plexiglas, C-Prints und Flaschen besteht, ist nicht nur voll funktionsfähig mit Getränkekühlschrank, Plattenspieler und Licht.

Die Museumsbesucher sollen riechen, hören, fühlen und sind ausdrücklich eingeladen, das Werk zu bearbeiten. „Da ist die Transformation eingebaut. Die Bar verändert sich mit jedem Besucher. Das finde ich toll“, sagt Henrik Jacob.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.