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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kabarett-Tage: Alphatiere bitten zum Schlagabtausch

02.02.2015

Oldenburg Die kleine Mikrofonpanne nach der Pause nimmt die Kanzlerin gelassen. „Schließlich bin ich manchmal schon an Situationen angepasst, die noch gar nicht stattgefunden haben“, lautet ihre schlichte Erklärung. Also Mundwinkel auf ihren Stammplatz, und weiter geht’s. An Angela Merkel arbeiten sich viele Parodisten ab, mal gelungen, mal weniger. Doch kaum einer trifft den Ton so exakt wie Reiner Kröhnert. In seinem aktuellen Programm „Mutti Reloaded“ geht es zum Glück aber nicht nur um die Kanzlerin. Denn der 56-Jährige zerrt bei den Oldenburger Kabarett-Tagen noch viel mehr Promis auf die Unikum-Bühne. Vor allem solche, die sonst kaum noch parodiert werden.

So fühlt sich das Publikum an die Alphatiere der 1980er-Jahre erinnert, als ein inzwischen altersverwirrter Hans-Dietrich Genscher mit dem immer noch oberlehrerhaften Hans-Jochen Vogel und einer kratzbürstigen Rita Süssmuth über alte Zeiten plaudert. Dank perfekter Mimik, Gestik und Stimmlage kommen Kröhnerts Parodien fast ohne Requisiten oder nervige Übertreibungen aus.

Sofort weiß jeder, wer gemeint ist, wenn sich die CDU-Karrieristen Peter Hintze und Ronald Pofalla anschleimen. Aufschlussreich ist auch der Dialog zwischen Gerhard Stoltenberg und Erich Honecker. In der Vorhölle lassen sie die Barschel-Affäre Revue passieren. Stoltenberg gibt sein Ehrenwort, ehe er sich mit dem Erzfeind von einst verbrüdert. „Wat mutt, dat mutt“, röhrt der Ex-Bundesfinanzminister. „Es ischt wie es ischt und so isches“, zischt einer seiner Nachfolger. Wolfgang Schäuble spielt mit seinem badischen Dialekt die Angst vor dem amerikanischen „Chlorhühnle“ gekonnt herunter.

Gruselig wird es beim Auftritt von Klaus Kinski. „Ach, wär ich doch lieber Priester geworden – in einem Knabenorden“, spielt Kröhnert drastisch auf die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den verstorbenen Exzentriker an. Dass der „Intellekt viele Gesichter“ hat, wird beim Talk deutlich. Unter der Regie von Moderator Michel Friedmann treffen Fernsehphilosoph Rüdiger Safranski und ein paar Promis vom Boulevard aufeinander. Dabei zickt Dieter Bohlen den „Schlauschlumpf“ Safranski derb an und nimmt ihm damit den Wind aus den akademischen Wortgirlanden.

Mit Volldampf stürmt schließlich Gerhard Schröder auf die Bühne. Im Brustton der Überzeugung verkündet er seine Rückkehr in die erste Reihe. Doch auch das quittiert „Mutti“ nur mit einem müden Lächeln: „Testosteron war gestern.“

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