Bokel - Genau so einen, sogar in denselben Farben, hatten auch seine Eltern, sagt Lothar Bruns. Er meint seinen „großen Karmann“, von dem es im Gegensatz zum „kleinen Karmann“, der gern auch „Sekretärinnen-Porsche“ genannt wurde, weltweit wohl nur noch etwa 600 Stück gibt. Mit dem „Karmann Ghia“ werden Lothar Bruns und Ehefrau Annelie ab diesen Mittwoch, 17. September, mit der Startnummer 134 auch an der Creme21-Youngtimer-Rallye teilnehmen. Europas größte, mehrtägige Rallye für Fahrzeugklassiker macht – wie berichtet – nach der ersten Etappe von Bremen aus ab etwa 19 Uhr Station auf dem Rasteder Marktplatz.

Gefunden hat Bruns, der in Bokel wohnt, „seinen“ Karmann 1996 – bei einer Oldtimer-Ausfahrt im Sauerland. „Ich schaue im Vorbeifahren immer gern in die Hinterhöfe hinein“, erinnert sich Bruns an den Moment, an dem er den Wagen entdeckte – abgestellt und abgemeldet auf dem Hof eines Autohauses. Der „große Karmann“ hat die Plattform des VW 1500 und 1600, auf die Karmann den Aufbau setzte. Der „kleine Karmann“ hingegen hat die Plattform des Käfers. „Der Wagen – ich bekam ihn schließlich im Jahr 1998 – musste natürlich noch aufgearbeitet werden“, erinnert sich der Autofan doch an allerlei Standschäden. Längst jedoch erstrahlt der Karmann wie einst – und hatte auch an der allerersten Creme21-Youngtimer-Rallye teilgenommen. Mitorganisator Alexander Mrozek aus Rastede, mit dessen Eltern Familie Bruns schon lange befreundet ist, fuhr den Wagen bei der Premiere: Der entsprechende, perfekt erhaltene, Aufkleber auf der Heckscheibe zeugt noch heute davon. 2006 fuhr dann auch Lothar Bruns das erste Mal mit – und ist nun wieder mit dabei.

Überhaupt hat der 66-Jährige mehr Zeit für sein Hobby, seit er 2013 den Tankstellenbetrieb seinem Sohn übergeben hat. „Im Sommer gibt es stets so viele Ausfahrten, Rallys und Veranstaltungen schon in einem Radius von 100 Kilometern rund ums Ammerland“, weiß Bruns, der auch noch andere „Schätzchen“ auf Lager hat. Ihm gehören zudem ein Audi 100 S Coupé von 1973, ein Borgward Isabella Kombi von 1955, der damals noch Hansa 1500 hieß, und ein Käfer Cabrio aus dem Jahr 1960: „unrestauriert, im Originalzustand“, schwärmt der Bokeler.

Für seinen mit einem Heckmotor ausgestatteten Karmann hat Bruns sogar den passenden Koffer für den wenigen Platz, der über dem Motor bleibt. „Solche Koffer gab es gegen Aufpreis“, lacht der 66-Jährige. Sein „großer Karmann“ wurde übrigens – im Gegensatz zum „Sekretärinnen-Porsche“ – nie in einer Cabrio-Version auf den Markt gebracht: „Es gab fünf Prototypen, gebaut wurde er jedoch nie.“ Das war auch Pech für den Rasteder Apotheker Strobel, der im Jahr 1965 ein ebensolches aus dem Prospekt, den es fürs Cabrio schon gab, beim Vater von Lothar Bruns, Günther, bestellt hatte: Er hat es nie bekommen.