Harpstedt/Marbella - Geboren in Ostpreußen, führte ihn das Schicksal nach Norddeutschland, Spanien, Mexiko. Stoff für viele Erzählungen. Doch als er jetzt auf seiner Dachterrasse im spanischen Marbella zur Feder griff, waren es Kindheitsjahre im Flecken, auf die Horst Klein zurückschaute: „Als Flüchtlingskind in Harpstedt“ hat der Autor, Jahrgang 1941, seinen „Erlebnisbericht über die Jahre 1945 bis 1952“ betitelt.

Auf 279 Seiten und mit vielen Fotos ergänzt, erzählt er von seiner Zeit als Barackenkind in Harpstedt: von der Ankunft der Familie an einem grauen März-Morgen 1945 über übergangsweise Zwangseinquartierung an der Burgstraße und Jahre in einer Baracke am Ortsrand bis zum Umzug nach Dünsen 1952 und den Weg in die Normalität. „Authentische Darstellungen des Ankommens und Lebens als kleiner Junge mit räumlicher Enge, Geldnöten und viel Mitarbeit in der Landwirtschaft einerseits und dem Murmelspiel auf der Straße, Gemeinschaftsgefühl und der Freude über die vielen kleinen Dinge des Lebens andererseits, werden in vielen Facetten erzählt“, heißt es in einer Pressemitteilung zur aktuellen Buchveröffentlichung.

Horst Klein war als vierjähriger Junge zusammen mit den sechs Geschwistern und seiner Mutter (der Vater war Landmaschinen-Schlosser und fiel als Volkssturm-Mann) aus dem Süden Ostpreußens gen Westen geflohen und nach zwei Monaten im Flüchtlingstreck in Harpstedt angekommen – dabei nur das Allernötigste, das auf dem Planwagen Platz hatte. „Da standen wir nun, ein Häuflein von Menschen, müde, dünn geworden durch die schlechte Ernährung unterwegs, aber voller Erwartung auf das, was nun kommen würde“, erinnert sich der Ich-Erzähler an die Ankunft auf dem Marktplatz. Eine der ersten Episoden seines Erlebnisberichts, in den er neben Erinnerungen auch Gehörtes, Chronistisches und historische Literatur einfließen lässt.

Eine Bleibe bot in Harpstedt für sieben Jahre ein Behelfsheim, eine Doppelbaracke mit zweimal sechzehn Familien. Beschrieben werden die Endphase des Krieges, die Kapitulation sowie die unermüdlichen Anstrengungen der Mutter, um die sieben Kinder durch die mageren Nachkriegsjahre zu bringen. Der Autor gibt Einblicke, wie die Kinder bei Arbeiten im Wald und auf den Äckern der Bauern eingesetzt wurden. Die nicht immer spannungsfreien Beziehungen zwischen Einheimischen und den vielen zwangseinquartierten Flüchtlingen werden ebenso thematisiert wie das Zusammenleben der unterschiedlichen Familien auf dem engen Raum der Baracken und auch die angenehmen Seiten der Kindheit mit typischen Spielen oder Herausforderungen der Schul- und Berufsausbildung.

Autor Horst Klein studierte nach dem Abitur Geschichte und Germanistik in Kiel,  wurde Gymnasial-Lehrer, heiratete und wurde Vater zweier Töchter. 1982 ging die Familie nach Spanien, wo die Eltern als Lehrer arbeiteten. Weitere Auslandsaufenthalte führten sie in den Süden Spaniens und nach Mexiko. Nach gesundheitsbedingtem Rückzug aus dem Schuldienst leben sie heute in Marbella.

„Als Flüchtlingskind in Harpstedt“ ist kostenlos im Internet zu lesen oder bestellbar als E-Book für 19,99 Euro oder Buch für 29,99 Euro (www.grin.com/de/e-book/202543/als-fluechtlingskind-in-harpstedt; ISBN 978-3-656-29840-3).