Schönemoor - Es ist das Jahr 1324, dunkles Mittelalter. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wurde zu dieser Zeit von Kaiser Ludwig IV., genannt Ludwig der Bayer, regiert. In Schönemoor weiht am 13. Dezember des Jahres der Verdener Bischof die örtliche Kirche zu Ehren der Heiligen Katharina von Alexandria (vermutlich 287 bis 307 n. Chr.), einer Königstochter aus Zypern, die von einem Einsiedler getauft wurde und viele Menschen zum christlichen Glauben bekehrt haben soll.
Erstmalig erwähnt wurde eine Kirche in Schönemoor zwar bereits 1230. Im Jahr 1324 wurde sie allerdings in wesentlichen Teilen umgebaut, eventuell sogar komplett neu gebaut. In dieser Form steht sie da bis auf den heutigen Tag.
Die roten Ziegelsteine wurden damals im Kloster Hude von den Mönchen gebrannt. Darauf, dass bereits vorher eine Kirche an dieser Stelle gestanden hat, weisen Findlinge im Mauerwerk des Chores hin.
Um in die Kirche zu gelangen, müssen die Besucher durch das so genannte Kinderhaus, direkt vor dem Eingang, hindurch. Der Name Kinderhaus entstand übrigens, weil dort in früherer Zeit bei Taufen die Eltern mit ihrem Kind so lange warten mussten, bis der Pastor eintraf. Im Kinderhaus las der Geistliche dann das Taufformular bis zu den Worten „Der Herr behüte deinen Eingang und deinen Ausgang“. Anschließend führte er die Eltern dann zum Taufstein.
Seit der Errichtung 1324 ist an dem Kirchengebäude kaum etwas verändert worden, bis auf einige Baumaßnahmen an den Fenstern, doch die sorgten für große Irritationen.
Aus einer Beschreibung der Kirche aus dem Jahre 1907 geht hervor, dass die Kirche „im wesentlichen gotische Formen“ aufweise. Veröffentlichungen im Zusammenhang mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten Ende der 1960er-Jahre bezeichneten das Gotteshaus hingegen als die „am reinsten erhaltene romanische Kirche Norddeutschlands“ und von „einem Juwel romanischer Baukunst“. Dies war nämlich das Ergebnis einer Untersuchung des mit der Restaurierung beauftragten Architekten. Die gotischen Fenster sollen angeblich gegen Ende des Mittelalters eingefügt worden sein.
Während der Renovierungsarbeiten 1969 wurde rasch festgestellt, wie schlecht es um das Gebäude bestellt war. Hohlräume im Gemäuer mussten mit Pressbeton gefüllt werden, zusätzlich wurde das Mauerwerk mit einem Korsett aus Stahl gesichert, das aber von außen nicht zu sehen war. Anschließend konnten in den Niederlanden 4000 Handstrichsteine erworben werden, mit denen die zerfallenen Steine ersetzt wurden. Das Gewölbe erhielt Schalen aus Haftbeton. Auch große Teile des Dachstuhls wurden erneuert. Bereits 1953 renoviert wurde der Glockenstuhl.
Bis 1679 hatte die Schönemoorer Kirche übrigens zwei Glocken. Dann raubten die Franzosen, die gerade mit Dänemark Krieg führten, beide Glocken, um daraus Kanonen zu gießen. Im Mai 1681 wurde Ersatz beschafft. Die Glocke, die bis heute im Kirchturm hängt, wurde laut Inschrift 1701 in Bremen gegossen.
Bei Renovierungsarbeiten im Inneren der Kirche in den 1930er Jahren stieß der Delmenhorster Kirchenmaler Oetken auf mittelalterliche Wandmalereien, die während der Reformationszeit übergepinselt worden waren. Einen Großteil konnte er restaurieren.
