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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Als in „Dallas“ das Licht ausging

03.05.2016

Washington Intrigen, Affären, Hochglanz und ruchlose Gier nach Macht, Geld und Öl: Vor 25 Jahren, am 3. Mai 1991, lief im US-Sender CBS die vorerst letzte von 357 Folgen der Fernsehserie „Dallas“ (1978-1991). Die Seifenoper über die Ewing-Familie auf der Southfork Ranch unweit des texanischen Dallas war ein TV-Hit, der noch heute indirekt die Fernsehunterhaltung prägt. Anfang der 80er Jahre war „Dallas“ die meistgesehene Sendung im US-Fernsehen. Auch für die deutschen Zuschauer öffnete sich ab 1981 mit „Dallas“ eine neue Serien-Welt.

Man musste aufpassen, um den Handlungssträngen zu folgen: Wer will J.R. Ewing (Larry Hagman) und seinem Unternehmen „Ewing Öl“ gerade die Geschäfte vermiesen, welche hinterhältigen Pläne schmiedet J.R. selber, wer geht mit wem fremd, kommt J.R. mit seinem Bruder Bobby (Patrick Duffy) und mit seiner Ehefrau Sue Ellen (Linda Gray) zurecht? Ob Sue Ellen, frühere Schönheitskönigin von Texas, wieder trinkt, ob J.R. durch den riskanten Einstieg ins Ölgeschäft in Asien die Ranch verlieren wird, oder ob ein Totgeglaubter der rechtmäßige Besitzer von Southfork ist - das Drama wollte nicht aufhören.

Neu an „Dallas“ war, dass das Drama auch gar nicht aufhören musste: Die Serie durchbrach die im Prime-Time-Fernsehen gängige Erzählweise, wonach jede Episode in sich selber geschlossen war, wie Medienwissenschaftler Robert Thompson, Professor an der Syracuse Universität in New York, erklärt. „Dallas“ ließ das Ende offen, vertraute darauf, dass die Zuschauer wieder einschalten würden. Er erinnere sich noch gut an die Spannung, mit der er damals auf jede nächste Episode gewartet habe, sagte Thompson: „Dallas hat einfach gute Geschichten erzählt.“

Man musste rechtzeitig vor dem Fernseher sein: Die verpasste Serie im Internet gucken, ging noch nicht; Heimvideorecorder kamen eben erst auf den Markt. Ende der 70er, in den Anfangsjahren von „Dallas“, sei nicht viel los gewesen im US-Fernsehen, sagt Thompson: zahme Programme hauptsächlich, vom Western „Gunsmoke“ bis zur Ärzteshow „Marcus Welby, M.D.“. Dann sei „Dallas“ gekommen mit etwas sensationell Neuem, das inzwischen normal sei bei großen Serien wie „Sopranos“, „House of Cards“ und „Breaking Bad“: Die Hauptfigur ist ein Schurke oder Gangster, der aber dennoch irgendwie attraktiv ist.

Das Fernsehpublikum sorgte sich um J.R. Ewing. „Who Shot J.R.“, wer hat J.R. erschossen, das war die Frage in den USA zwischen dem 21. März und 21. November 1980. Die Episode im März endete mit Schüssen auf J.R., der Täter oder die Täterin war nicht zu sehen. Und viele Charaktere in „Dallas“ hatten Gründe, J.R. ins Jenseits zu schicken.

Rund drei Viertel der US-Fernsehzuschauer und weltweit 350 Millionen Menschen saßen angeblich vor dem Bildschirm, als am 21. November die nächste Folge kam, verzögert durch einen Streik der Schauspielergewerkschaft. Geschossen hatte Kristin Shepard (Mary Crosby), die Schwester von Sue Ellen Ewing, angeblich schwanger von J.R. - der überlebte.

In Juni 1981 waren die Ewings und ihre Intrigen auch nach Deutschland gekommen, und zwar ins Erste Programm. Die ARD-Chronik vermerkte: „Dallas“ komme auch in der Bundesrepublik bei den Zuschauern gut an, „wird allerdings in der Fach- und Publikumspresse zum Teil negativ beurteilt“. Die „Familienserie“ weiche ab vom Üblichen, da einer ihrer Helden, der „Tunichtgut J. R. Ewing“, eher zur Distanzierung als zur Identifikation anrege.

Im Ausland war „Dallas“ vielerorts Symbol eines rücksichtslos kapitalistischen Amerika. Als die Serie „Dallas“ begann, war Jimmy Carter US-Präsident, wirtschaftlich ging es dem Land nicht besonders gut. Dann kam die Hochglanzperiode von Ronald Reagan in den 80er Jahren. Er wurde gewählt, als der Fernsehzuschauer noch nicht wusste, ob J.R. überleben würde. Auf Reagan folgte George H.W. Bush: Mit diesem Mann war dann tatsächlich ein Politiker aus der Ölindustrie Präsident.

In der ARD lief die letzte CBS-Folge im September 1991. Das Ende gab Rätsel auf: Was war das für ein Dialog, den J.R. bei einer imaginären Zeitreise führte? Sprach er mit dem Teufel? Und dann ein Schuss: Suizid?

Doch ganz das Ende sollte es noch nicht sein. Nachdem CBS die Serie 1991 eingestellt, wurde sie 2012 vom Kabelsender TNT wiederbelebt. Mit dabei waren Linda Gray, Patrick Duffy und Larry Hagman bis zu seinem Tod im November 2012. Drei Staffeln wurden produziert, bis 2014 endgültig Schluss war.

Die Zeit der Top-Quoten für „Dallas“ aber war vorbei. Fernsehzuschauer hatten mittlerweile viel mehr Auswahl. Das Kabelfernsehen war erwachsen geworden. Und das Publikum hatte neue Bösewichte lieben gelernt wie den brutalen Mafiaboss und gleichzeitig sorgenden Familienvater Tony Soprano - einen Übeltäter, dem J.R. wohl nicht hätte das Wasser reichen können.

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