Bösel - An diesem Dienstag vor genau 80 Jahren wurde die neu erbaute katholische Volksschule in Bösel eingeweiht. Viele Böseler verfolgten den festlichen Akt damals. Dass diese Eröffnung weit mehr wurde als ein weiteres Stück Schulgeschichte, zeigte sich kurze Zeit später. Denn sie bot der Oldenburgischen Staatsregierung Gelegenheit, den so genannten Kreuzerlass herauszugeben. Die NWZ  erinnert an die historischen Tage aus Anlass des 80. Jahrestages, denn damit setzte die Bevölkerung ein weithin gehörtes Zeichen gegen die Politik der Nationalsozialisten.

25. Oktober 1936: Der Oldenburgische Staatsminister Julius Pauly nimmt an der Einweihung der Volksschule in Bösel teil. Pfarrer Franz Sommer ist allerdings bei der Einweihung nicht zugegen, denn diese war wohl absichtlich so terminiert, dass Sommer verhindert ist. Der Pfarrer gilt als Kritiker und Gegner der Nazi-Politik. Doch er lädt die Gemeinde zu einer geistlichen Einweihung am Tag darauf ein – und die Bevölkerung folgt der Einladung. Er überreicht sechs Kruzifixe, die er in den Klassenzimmern aufhängt. Das verärgert Pauly derart, dass dieser zum Gegenschlag ausholt.

Am 4. November 1936 ergeht der so genannte Kreuzerlass: Dieser untersagt, dass Kreuze und Lutherbilder in öffentlichen Gebäuden aufgehängt werden dürfen und entfernt werden müssen.

Die Folge ist ein regelrechter Volksaufstand der katholischen Bevölkerung gegen den Nationalsozialismus. In Protestnoten und Demonstrationen wehrt sich die Bevölkerung gegen den Erlass.

Am 25. November versammeln sich rund 7000 Bürger zu einer zentralen Kundgebung in Cloppenburg in der Münsterlandhalle. Die Proteste sind lautstark, die Zwischenrufe häufig. Endlich muss Gau-leiter Carl Röver den Erlass in Teilen zurücknehmen.

Später rächt sich das Regime, verhaftet einige der Initiatoren und schickt sie zum Teil ins Konzentrationslager. Der Kreuzkampf war einer der wenigen größeren Proteste gegen die Nazis.

„Der Protest des Kreuzkampfes kann uns mahnende Erinnerung sein, dass ein entschiedener Eintritt für das Kreuz der Macht des Bösen und des Todes nicht das Feld überlässt“, hatte Weihbischof Heinrich Timmerevers bei der Einweihung des erneuerten Denkmals am Marktplatz in Cloppenburg 2004 gesagt.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)