Friesoythe - Das Bild auf dem Buchaufschlag zeigt einen das Posthorn blasenden Postillion auf seinem Kutschbock, die Postkutsche gezogen von vier Pferden – laut Klaus Johanns ein verklärtes Bild. Denn die Fahrten durch das Großherzogtum Oldenburg auf dem harten Kutschbock waren beschwerlich. Klaus Johanns führte am Dienstagmorgen im Postgeschichtlichen Museum in Friesoythe in das so neue Buch von Carl-Friedrich Vahrenkamp mit dem Titel „Die Zeit der Großherzoglich Oldenburgischen Post 1815 bis 1867. Ein Beitrag zur Postgeschichte des Landes“ ein. Das Buch ist jüngst im Oldenburger Isensee-Verlag als Band 79 der Oldenburger Studien erschienen. Einen passenderen Ort hätte man nicht finden können, sagte Museumsleiter Wolfgang Letzel bei der Begrüßung der Gäste. Schließlich sei das Museum in Friesoythe einzigartig in der Region.
Verleger Florian Isensee zeigte sich denn auch sehr beeindruckt von der Einrichtung. Der Autor selber erlebte die Präsentation seines Buches nicht mehr. Er starb wenige Wochen nach dem Erscheinen des Buches.
Zwar sei es „fast unmöglich“, ein Buch ohne seinen Verfasser vorzustellen, so Isensee. Das übernahm dann aber Klaus Johanns, ausgewiesener Kenner der Oldenburger Postgeschichte. Johanns stellte das Werk Vahrenkamps mit den „Standardwerken“ von Gustav Rüthning „Geschichte der Oldenburgischen Post. Denkschrift zur Eröffnung des Dienstbetriebs im neuen Reichpostgebäude“ von 1902 sowie Paul Orths „Die Poststempel von Oldenburg“ aus dem Jahre 1911 gegenüber – „eine sinnvolle Ergänzung“, in der aus einer „Fülle an Quellen“ zitiert werde.
In seinem Vorwort umreißt Vahrenkamp das Vorhaben seines inklusive Anhang 76 Seiten umfassenden Werkes. Demnach wolle er sich vornehmlich mit der Großherzoglichen Post befassen unter Einschluss des erst 1818 aus russischem Besitz hinzugekommenen Gebietsteils Jever.
In zehn Abschnitten befasst sich Vahrenkamp ausführlich mit der fahrenden und der reitenden Post, der Botenpost, mit Postkutschen, der Einrichtung von Posthaltereien, dem Bau moderner Straße und der Einführung von Stempeln und Briefmarken. Zunächst umschreibt er die Organisation des Postwesens. Herzog Peter Friedrich Ludwig hatte 1809 laut Vahrenkamp eine Postdirektion mit Sitz in Oldenburg eingerichtet, der das Postwesen unterstellt war und an die sich jeder in Postangelegenheiten wenden konnte. Zu den Aufgaben der Großherzoglichen Post gehörte es, Personen und Postsachen zwischen den Poststationen zu befördern.
Über die Routen durch das Oldenburger Land berichtet Vahrenkamp ebenso wie über „Meilensteine“, die als Orientierungshilfe dienten. Postillione mussten laut Vahrenkamp körperliche Robustheit mitbringen, um dem Wetter trotzen zu können. Postillion konnte nur werden, wer als zuverlässig galt, nicht trank, wegekundig war, mit Pferden umgehen und das Posthorn blasen konnte.
Das 76-seitige Buch ist im Isensee-Verlag, Oldenburg, erschienen, hat 76 Seiten, 40 farbige und 37 schwarz-weiße Abbildungen und kostet 14,80 Euro. ISBN: 978-3-7308-1156-6.
