Jever - „Sag den Menschen, es gibt keine Hölle, und sie zeigen sie Dir höchstpersönlich.“ Der Teufel (Zoe Hokemeier) steckt in dem neuen Musiktheater des Mariengymnasiums Jever buchstäblich im Detail, denn der Teufel und seine Advokaten sind mehr als nur Rahmenfiguren in einem temporeichen und verschachtelten Stück um Liebe, Macht und Eifersucht. Tatsächlich zieht in diesem Stück der Teufel die Fäden.
„Struck down – Niedergestreckt“ heißt das unter Leitung von Jens Marnowsky, Markus Gärtner und Meic Stephan erste eigene Stück der Musical-AG des Mariengymnasiums. Im fast ausverkauften Theater am Dannhalm feierte es beifallumtoste Premiere und ist nach einer weiteren Aufführung am Samstagabend nun noch drei weitere Male zu sehen.
Don Giovanni als Vorlage
Grundlage für das anspruchsvolle Musiktheater liefert die weltberühmte Mozart-Oper „Don Giovanni“. Natürlich modernisiert, aktualisiert, verfremdet, neu interpretiert. 22 Akteure auf der Bühne, zum Teil in Doppel- und Mehrfachrollen, liefern in dem Zweieinhalbstünder eine schauspielerische, gesangliche und auch tänzerische Glanzleistung ab. Ein langes hartes Probenjahr, das das ganze Schuljahr durchzog, trägt Früchte. Und die erntet auch die Band, die das Stück trägt und vorantreibt. Bekannte und neu bearbeitete Songs wie in früheren Inszenierungen der Musical-AG hört man diesmal nicht. Es sind Eigenkompositionen in klassischer Rockinstrumentierung, die gekonnt abgewandelt werden und die Wirkung der handelnden Figuren verstärken.
Hauptfigur des Musicals ist Sängerin Gianna (Friederike Rottmann), die ihr bisheriges Image abstreifen und sich künstlerisch neu positionieren will. Von ihrem Freund Dima (Philip Schick) verlassen, gerät Gianna nach und nach immer mehr unter Druck. Es gibt einen bösen Streit mit Dimas neuer Freundin, wobei dessen Mutter einen Herzanfall erleidet. Auch Giannas Umfeld – ihre Managerin, eine Journalistin, eine Anwältin, falsche Freunde und schlechte Ratgeber – befeuern ihre persönliche Krise, die in alptraumhaften Szenen effektiv umgesetzt sind. Am Ende wenden sich alle von ihr ab. Und sehen sich vor Gericht wieder, wo der Teufel die Fäden zieht. . .
Einführung ins Stück
„Struck down“ ist keine leichte Kost. Man muss schon sehr genau aufpassen, um nicht den Faden zu verlieren und unter all den Namen und Querverbindungen, die auftauchen, nicht den Überblick zu verlieren. Wer Zeit und Muße hat, kann sich eine halbe Stunde vor Beginn jeder Vorstellung im Zuschauerraum des Theaters eine Einführung in das Stück geben lassen, in dem konzeptionelle Ideen, musikalische Verweise und gestalterische Überlegungen erläutert werden.
Die nächsten Aufführungen von „Struck down“ gibt es am Mittwoch, 15. Juni (18 Uhr), am Freitag, 17. Juni (19:30 Uhr) sowie am Montag, 20. Juni (18 Uhr). Eine sehenswerte Produktion.
