Oldenburg - Die Begrüßung in der sogenannten Hühnersprache ist nur eine Gedächtnisübung. Wer mit 73 Jahren sein erstes Soloprogramm präsentiert, muss im Kopf fit bleiben. Verstanden hat das Kauderwelsch zwar kaum einer. „Doch nach zwei Monaten Großer Koalition müssten Sie daran gewöhnt sein“, kalauert Jochen Busse.
Mit seinem Programm „Wie komm ich jetzt darauf?“ gastierte er am Sonnabend zum Abschluss der 19. Oldenburger Kabarett-Tage in der ausverkauften Kulturetage.
Während der zwei Stunden kokettiert der Routinier vor allem mit seinem Alter, ohne sich weitere Seitenhiebe aufs politische Tagesgeschäft zu verkneifen. Kostprobe: „Das Verteidigungsministerium ist jetzt weiblich besetzt, das Außenministerium männlich und das für Landwirtschaft überhaupt nicht mehr.“ Schöne Grüße an Herrn Friedrich. Und auch an Horst Seehofer: „Die Zusammenarbeit mit ihm heißt in der CDU nur Inklusion.“ Politisches Kabarett liegt dem früheren Mitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft also noch immer im Blut, auch wenn er in seinem Alter andere Sorgen hat. Zum Beispiel die Wohnung im fünften Stock ohne Fahrstuhl: „Das ist aktive Sterbehilfe.“ Mit 73 Jahren stehe der Tod allerdings noch nicht vor der Tür: „Er sucht sich aber schon einen Parkplatz.“
So ist das also mit dem Älterwerden. Busse nimmt es komödiantisch locker, macht sich aber seine Gedanken. Auch über das befreundete Ehepaar, das – zum Zeitvertreib und Sex-Ersatz – „Ich packe einen Koffer und nehme mit…“ spielt. Aber wie kommt Busse jetzt darauf? Immer wieder unterbricht er sich und erzählt manche Geschichte absichtlich zweimal. Trotz aller Erinnerungslücken: Vergesslich sind in erster Linie die anderen. Busse hält dem Publikum den Spiegel vor, vor allem dem jungen „Dietmar“ in der zweiten Reihe, der noch unter dem Generationenvertrag leiden wird.
Es sind die Zugpferde wie Busse, die bei den Kabarett-Tagen die Reihen füllen. Rund 2500 Zuschauer kamen zu den neun Abenden, bilanziert Uwe Schwettmann von der Kulturetage: „Gemeinsam mit dem Unikum wollen wir aber auch weiterhin Nachwuchskünstler fördern. Das Konzept hat sich bewährt.“ Die 20. Auflage sei in Planung. Zum Jubiläum haben unter anderem Jochen Malmsheimer und Horst Schroth zugesagt. „Und vielleicht sehen wir uns ja auch noch mal wieder“, sagt Busse zum Abschied. Dann setzt er zu einer tiefen Verbeugung an. Und das in dem Alter.
