ALTONA - Die Kreisjägerschaft Oldenburg-Delmenhorst liegt beim Abbau der Verbindlichkeiten für den Bau des Schießstandes auf Gut Altona (Gemeinde Dötlingen) voll im Zeitplan. Das teilte Vorsitzender Karl-Wilhelm Jacobi bei der Jahreshauptversammlung der Jägerschaft am Freitagabend im Hotel „Gut Altona“ mit. Die letzte Rate werde im kommenden Jahr zurückgezahlt. Einstimmig beschlossen die gut 150 Mitglieder, die 2007 eingeführte Sonderzahlung von 10 Euro pro Mitglied auf 5 Euro jährlich zu senken. Die restlichen 5 Euro sollen in eine Kapitalreserve für Neuanschaffungen fließen. „Die Trap- und Skeet-Anlage ist in die Jahre gekommen; die Seilzuganlage über 30 Jahre alt.“
Jacobi stellte die Biotop-Veränderungen in den Mittelpunkt seines Jahresberichts. Beim Niederwild sei ein „dramatischer Einbruch“ zu verzeichnen. Wurden 2007/2008 noch 5181 Fasanen erlegt, waren es im zurückliegenden Jagdjahr 2147. Nur 24 Rebhühner wurden zur Strecke gebracht. Auf die Bejagung des Rebhuhns soll zunächst komplett verzichtet werden. Jacobi kritisierte das „Großreinemachen“ in der Natur: „Nichts bleibt mehr unberührt, jeder Grashalm wird gemäht.“ Der Grünroggen wirke wie „ein tödlicher Magnet“ auf das Niederwild. Jetzt werde er gemäht, um Mais zu pflanzen. Auch wenn hektarweise Ackerflächen unter Folien verschwinde, störe das die Tierwelt empfindlich.
Überaus erfolgreich ist das Blühstreifenprojekt der Jägerschaft. Innerhalb von nur fünf Wochen sei es gelungen, 55 Hektar an Blühstreifen zu akquirieren. Weitere Anmeldungen seien möglich. Auch Landrat Frank Eger und Dötlingens stellvertretende Bürgermeisterin Sarah Orth würdigten in ihren Grußworten das Projekt der Jäger. Kreisveterinär Dr. Carsten Görner warnte vor der Staupe bei Füchsen, dem Schmallenberg-Virus und der Aujeszkyschen Krankheit (AK), auch Pseudowut genannt, die vorrangig bei Schweinen auftritt.
„Der Hase ist unser Problemfall“, so Kreisjägermeister Erich Kreye bei der Vorstellung des Streckenberichts: 2007/2008 wurden noch 3066 Feldhasen geschossen; im vergangenen Jagdjahr waren es 2152. Die Damwildzahl ist mit 367 (Vorjahr: 349) stabil geblieben. Gut 50 Prozent der Strecke wurde in der Samtgemeinde Harpstedt gemacht. Beim Rehwild sei der „größte Jäger“ im Landkreis das Auto: 2758 Tiere (2011: 2872) wurden zur Strecke gebracht; gut ein Drittel davon (764, Vorjahr: 850) war Fallwild.
Eine „definitive Erklärung“ für die schwindenden Besätze von Hase, Fasan und Rebhuhn im Oldenburger Raum konnte auch Dr. Egbert Strauß vom Institut für Wildtierforschung in Hannover nicht liefern. Der dramatische Einbruch der Zahlen, etwa beim Rebhuhn, sei im Jahr 2007, dem Wegfall der Flächenstilllegungen in der Landwirtschaft, zu verzeichnen. Ursachen könnten auch Infektionskrankheiten oder Gefährdungen durch Gülle und Pflanzenschutzmittel sein. Dringend notwendig seien Biotopverbesserungen: „Wir brauchen mindestens 10 Prozent der Ackerflächen.“ Die Jäger sollten sich für den Erhalt des Rebhuhns einsetzen. Zur Landtagswahl 2013 kündigte Jacobi eine Umfrage unter den heimischen Kandidaten an.
