ALTONA - Die Wildeshauser sind zweifelsohne weltoffen. Aber einen gebürtigen Jamaikaner, der stilecht im rot-karierten Kilt Dudelsack spielt, und eine Musikerin, die ihrem Cello die Töne einer spanischen Gitarre oder die einer indischen Sitar abringt, gibt es auf der Bühne der Scheune auf Gut Altona wohl nicht jeden Tag zu sehen. Keine Frage: Der Auftritt des musikalischen Comedy-Duos Rebecca Carrington und Colin Brown gehörte zu den Höhepunkten des diesjährigen Scheunenklassikers am vergangenen Freitag- und am Sonnabendabend.
Weit über 500 Gäste kann Frank Ostertag, Vorstand der Volksbank Wildeshauser Geest, die das kulturelle Ereignis erneut gefördert hat, an beiden Abenden begrüßen. Ausverkauft. Seine Kollegen Anja Marowsky und Karl-Heinz Abel führen souverän durchs Programm – und haben gleich eine Premiere anzukündigen. Der neu formierte A-cappella-Chor des Gymnasiums Wildeshausen, geleitet von Walter Bialek, singt Stücke wie „Those Were the Days my Friend“ oder das israelische „El haderech“. Spätzestens bei „Barbara Ann“ klatschen alle mit.
Ein Hauch von südamerikanischer Gelassenheit weht durch die Scheune, als „Tango sin Palabras“ mit Christan Schulte am Piano, Konstantinos Raptis (Bajan), Uwe Fietkau, Alice Hoffmann und Uwe Boikow auftreten. Zu Stücken wie „Milonquendo en el 40“ oder „Gallo Ciego“ („Blindes Huhn“) tanzt das Paar Aleta Ungefucht und Germán Casano Tango in Vollendung. Da rücken Tanzfreunde schon einmal näher heran, um sich die Schritte genau anzusehen.
Mit Arien wie dem „Nessun dorma“ aus der Puccini-Oper „Turandot“ oder „La Donna e Mobile“ aus Verdis „Rigoletto“ füllt Tenor Russell Ablewhite ohne Mikro den Raum. Noch vor der Vorstellung am Freitag musste er für eine neue Produktion vorsingen, berichtet Musikpädagoge Walter Bialek, der erneut das Programm des Scheunenklassikers zusammengestellt hat. Und weil auch Moderatorinnen einen Wunsch frei haben, stimmt Ablewhite ein kräftiges „Happy Birthday“ für Marowskys Großmutter Hildegard Helms an, die gerade 80 Jahre alt geworden ist.
Nicht nur die Schottennummer des Duos Carrington & Brown, die seit dem Edinburgh-Festival 2004 auch privat ein Paar sind, reißt das Publikum immer wieder zu spontanem Applaus hin. Carrington („Ich spreche deutschisch“) entlockt ihrem 228 Jahre alten Cello, das sie liebevoll „Joe“ nennt, Töne wie bei einer Fidel. Sie tanzt wie Madonna. Sie prustet wie ein Dudelsack – und vergisst fast das Luftholen. Oder die 38-Jährige spricht in Zeitlupe, was sie in Texas gelernt hat. Die drei Lieblingsworte der US-Amerikaner seien übrigens nicht „Yes, we can“, sondern „Oh, my God“. Brown, der 2006 Robbie Williams auf seiner Welttournee begleitet hat, macht sich regelmäßig zum Clown: ob als Rapper oder mit Miles-Davis-Perücke. 160 Auftritte absolviert das Paar in diesem Jahr. Diese Woche geht’s nach Schweden.
Zum Abschluss des gelungenen Abends kommen alle Künstler zum großen Finale auf der Bühne zusammen. Gemeinsam singen sie mit dem Chor des Gymnasiums „Those were the Days my Friend“. Es ist schon nach Mitternacht. Aber niemand hat sein Kommen bereut.
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