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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Am Rande des Wahrscheinlichen

30.04.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T11:25:55Z

Literatur:
Am Rande des Wahrscheinlichen

Oldenburg Sein zweiter Roman „Vor dem Fest“ wurde schon als „Weltliteratur aus der Uckermark“ bezeichnet und bescherte Saša Stanišicć (36) im März den Preis der Leipziger Buchmesse. Nun kam der Autor nach Oldenburg und las im ausverkauften Kulturhaus „Wilhelm 13“.

„Vor dem Fest“ ist ein nachdenklicher, tragikomischer Roman mit vielen Protagonisten. Eine von ihnen ist Frau Kranz, die nachtblinde Dorfmalerin im uckermärkischen Fürstenfelde. „Sie hat einen eigenen Abend verdient“, findet Saša Stanišićc und fängt an, jene Passagen des Buches zu lesen, die von ihr handeln. Einmal lässt er sie sagen: „Geburt ist unser erstes Glückslos. Meines war eine Niete. Machen wir kein Spektakel darum.“

Im Interview mit Moderator Patrick Braatz, Bremer Kulturwissenschaftler, sagt der Autor später, dass auch dieses Buch „immer ein Erzählen über mich selber ist“. Auch wenn die Flucht im Alter von 14 Jahren von Bosnien nach Heidelberg hier nicht im Zen­trum steht wie im Debüt „Wie der Soldat das Grammophon repariert“. Heute ist sein Deutsch besser als seine Muttersprache. Geblieben ist ihm eine sympathische Melodie, wie er die Worte zum Klingen bringt. Sie erinnert an die der Klitschko-Brüder.

Vier Jahre lang hat Saša Stanišicć für „Vor dem Fest“ in der Uckermark recherchiert, mit Bewohnern gesprochen und in Archiven gestöbert. Entstanden ist ein fiktionaler Roman, „am Rande des Wahrscheinlichen“ mit einem Hauch Magie. Erzählt wird aus der Wir-Perspektive. Das klingt dann so: „Wir sind traurig. Wir haben keinen Fährmann mehr. Der Fährmann ist tot.“ Es sind die ersten Zeilen, die er vorliest. Mit seinem Singsang erweckt er sie zum Leben, füllt sie mit lakonischem Humor und nachdenklicher Ernsthaftigkeit. Seine dunklen Augen blitzen vergnügt, die Hände tanzen, die Stimme fesselt. „Vor dem Fest“ gibt es auch als Hörbuch. Vielleicht ist das sogar die bessere Alternative, weil die vielen Figuren so mehr Farbe erhalten.

„Vor dem Fest“ endet mit „einer Mischung aus Tristesse und Schönheit, leicht und heiter“, sinniert Stanišicć. Die Lesung indes mündet nach zwei Stunden in einem Ansturm: So viele strömen zum Signieren, dass eine lange Schlange entsteht.