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NWZonline.de Nachrichten Kultur

FILM: Amerikanisches Goldkerlchen im Büro

25.01.2006

MüNCHEN MÜNCHEN - Franz Seitz ist 84 Jahre alt geworden. Aber das stand nur in seinem Pass.

Seitz war schlank und rank, hatte immer ein spitzbübisches Lächeln auf den Lippen, liebte Zigarillos und noch mehr das Erzählen von Anekdoten. Seitz war der einzige deutsche Oscar-Preisträger. Der einzige „Spielfilm-Oscar-Preisträger“, wohlgemerkt. Zu dieser kleinen Korrektur hob er leicht, aber bestimmt die zarte Zigarillo-Hand.

Der Münchner hat viele Thomas-Mann-Filme produziert, auch etliche Drehbücher stammen aus seiner Feder. Den Oscar hat er für die Herstellung der „Blechtrommel“ nach dem Roman von Günter Grass bekommen. Das war 1980. Regisseur Volker Schlöndorff schleppte den Produzenten-Oscar von der Bühne herunter zu ihm in den Saal. Das sei praktisch gewesen, erinnerte sich Seitz mal. Und lächelte. Bis zuletzt stand das Goldkerlchen in seinem Büro, gleich neben dem Bayerischen Filmpreis und der Berlinale-Kamera.

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Seit 1951 produzierte Seitz, 80 abendfüllende Spielfilme entstanden. Die Kulturgeschichte der Familie beginnt aber wesentlich früher. Der Vater war Regisseur, der Großvater ein Volksschauspieler. Unter den Linden habe Wilhelm II. mal extra die Kutsche anhalten lassen, um Opa höchstkaiserlich die Hand zu schütteln.

Ein Abend mit diesem wandelnden Lexikon Franz Seitz schien einem immer zu wenig. Seitz hatte Heinz Rühmann gut gekannt. Mit Mario Adorf war er befreundet. Mit dem Lyriker Reiner Kunze kamen „Die wunderbaren Jahre“ zustande, mit Louis Malle „Herzflimmern“.

Seitz hat aber nicht nur hehre Literaturfilme drehen lassen. Auch weniger berühmte Streifen fürs Kino oder Fernsehen sind darunter. Einige, die Preise einheimsten, andere, die eher Geld brachten wie „Als Mutter streikte“.

Seitz kleidete sich wie ein englischer Landlord und küsste den Damen noch die Hand. Er war ein Glückskind, das viel Pech hatte. Damit ist nicht nur „Tod in Venedig“ gemeint, jener Thomas-Mann-Stoff, den ihm Visconti wegschnappte. Bei Smolensk hat sich Seitz 1943 einen Schuss in die rechte Schulter eingefangen. Danach kamen oft Krankheiten. Doch Heiterkeit war der Himmel, unter dem bei ihm alles gedieh. Jetzt ist er in München nach langer Krankheit gestorben.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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