AMERSFOORT - Vorhang auf für Johannes Heesters – in den Niederlanden gab es das seit 44 Jahren nicht mehr. „Jopie“, der Operettenstar, der sich seine Karriere von den Nazis fördern ließ, war auf den Bühnen seiner Heimat über Jahrzehnte unerwünscht. Doch jetzt trat er im Theater „De Flint“ in seinem Geburtsort Amersfoort auf.

Demonstranten vor dem Theater nennen Heesters einen „singenden Nazi“. Celine van der Hoek, eine Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, wirft Heesters vor, dass er über notwendige Kontakte hinaus eng mit Nazi-Größen befreundet war.

Die Konzertbesucher sehen das anders: Sie empfinden es als „fürchterlich“, dass die zumeist jüngeren Heesters-Gegner sich als Widerstandskämpfer aufspielen wollen. In dem Saal, in dem rund 800 Zuhörer auf den Auftritt warten, spielen die Proteste und Vorwürfe ohnehin keine Rolle mehr. Die angedrohten Störversuche bleiben aus.

Dann hebt sich der Vorhang. Steif an einen Konzertflügel gelehnt steht der 104 Jahre alte Sänger im Scheinwerferkegel. Tosender Applaus, Blumen fliegen auf die Bühne. Lebhaft beteuert der Heimkehrer auf Deutsch: „Ich kann Euch sagen, wie glücklich ich bin.“ „Auch wir sind darüber glücklich“, ruft ein Mann auf Niederländisch.

Das Publikum langweilt sich nicht einmal bei einer schier endlosen Bildershow über Heesters’ Bühnenleben. Sobald der greise Tenor mit unglaublicher Stimmkraft die hohen Töne trifft, donnert es Beifall. Dass Heesters’ Ehefrau Simone Rethel ihm ab und zu den Text vorflüstern muss, stört hier niemanden.

„Ihr müsst ins Bett“, sagt der alte Mann am Ende der Show. Da sind die Demonstranten vor dem Theater längst abgezogen.